168 Größen ohne Winterreifen – und in 17 davon liegt die Lösung eine Rubrik weiter
Es ist der Moment, in dem der Reifenkauf stockt: Sie geben Ihre Größe ein, stellen den Filter auf Winterreifen — und bekommen null Treffer. Kein Lieferengpass bei einem einzelnen Händler, sondern die Dimension selbst, für die kein Winterreifen gebaut wird. Wie oft das vorkommt, haben wir ausgezählt. Für diese Fassung haben wir die Erhebung komplett wiederholt, diesmal gegen den vollständigen Katalogauszug statt größenweise über die Artikelsuche — und dabei zwei Dinge gefunden, die in der ersten Version noch anders standen. Erstens: Die Lücke ist seit der ersten Zählung größer geworden, sie liegt heute bei 168 von 488 Größen. Zweitens, und das ist der eigentliche Punkt: In 17 dieser 168 Größen gibt es sehr wohl einen wintertauglichen Reifen — er steht nur in einer anderen Rubrik des Shops, weshalb der Saisonfilter im Pkw-Regal ihn nicht anzeigt.
Wie wir gezählt haben
Damit die Zahlen nachvollziehbar bleiben, zuerst das Vorgehen. Grundlage ist der Katalogauszug unseres Sortiments vom 7. Oktober 2026 mit 57.095 Positionen. Daraus zählen wir ausschließlich echte Reifen der Rubrik Pkw — Felgen, Radschrauben und Zubehör bleiben außen vor, ebenso Transporter-, Motorrad- und Quad-Ware, weil dort andere Bauvorschriften und andere Sortimente gelten. Über das Raster aller gängigen Reifenbreiten, jedes Querschnitts von 25 bis 85 und jedes Felgendurchmessers von 12 bis 23 Zoll bleiben 35.237 Pkw-Reifen in 559 belegten Größen.
Als Grundgesamtheit dient nicht diese Gesamtzahl, sondern die Menge der Größen, die es als Sommerreifen gibt: 488. Das ist der verlässlichste Beleg dafür, dass eine Dimension tatsächlich eine gefahrene Straßengröße ist und nicht bloß eine rechnerisch mögliche Kombination. Dass von mehreren Tausend denkbaren Kombinationen überhaupt nur ein Bruchteil existiert, haben wir an anderer Stelle auseinandergenommen: im Raster der Pkw-Reifengrößen.
Zwei Korrekturen an der Methode gehören dazu, weil wir sie in der ersten Fassung anders beschrieben hatten. Die alten Formate fallen nicht heraus. Wir hatten geschrieben, dass Größen ohne Querschnittsangabe — Schreibweisen wie „155 R13“ oder „185 R14“ — im Raster nicht auftauchen. Das ist falsch: Unsere Artikeldaten ordnen sie der 80er-Reihe zu, sie sind also mitgezählt, und zwar auf zehn Rasterplätzen. Und der Lieferstatus spielt hier keine Rolle. Gezählt ist alles Bestellbare, also lieferbare Ware und Bestellware zusammen. Von den 35.237 Pkw-Reifen ist aktuell kein einziger Bestellware — die Lücken sind damit echte Sortimentslücken und keine Momentaufnahme eines leeren Lagers. Eine Einschränkung bleibt: Es ist unser Regal, nicht der Weltmarkt. Ein Reifen, den es irgendwo gibt, den wir aber nicht führen, fehlt in dieser Rechnung.
In 168 von 488 Größen steht kein Pkw-Winterreifen
Das Ergebnis vorweg: Von den 488 Größen, die es als Sommerreifen gibt, existieren nur 320 auch als Pkw-Winterreifen. In 168 Dimensionen — 34 Prozent, also gut jeder dritten — steht im Pkw-Regal kein einziger Winterreifen. Nicht wenige, nicht teure, sondern keiner. Über alle 559 belegten Größen hinweg sind es 350 mit Winterprofil; eine Woche früher waren es noch 353.
Noch deutlicher wird das Bild, wenn man nicht nur auf die Null schaut, sondern auf die Knappheit. Verteilt man die 488 Sommergrößen nach der Zahl der verfügbaren Winterausführungen, ergibt sich eine bemerkenswert schiefe Landschaft:
- Keine einzige Winterausführung: 168 Größen (34 Prozent).
- Eine bis drei Ausführungen: 63 Größen (13 Prozent).
- Vier bis zehn Ausführungen: 82 Größen (17 Prozent).
- Elf bis dreißig Ausführungen: 79 Größen (16 Prozent).
- Mehr als dreißig Ausführungen: 96 Größen (20 Prozent).
Zusammengerechnet heißt das: In 231 von 488 Größen — 47 Prozent — haben Sie im Winter die Wahl zwischen höchstens drei Reifen. In fast der Hälfte aller gefahrenen Dimensionen ist „vergleichen“ also gar keine echte Option mehr; es geht dann nur noch um nehmen oder nicht nehmen. Am anderen Ende der Skala steht die mit Abstand bestversorgte Größe des ganzen Regals, 205/55 R16, mit 223 Winterausführungen neben 411 Sommer- und 187 Ganzjahresreifen. Zwischen 223 und null liegt dieselbe Jahreszeit — nur eine andere Zahlenkombination auf der Flanke. Dass in kleinen Dimensionen generell weniger und schwächer etikettierte Ware steht, hatten wir schon beim Zusammenhang von Reifengröße und Auswahl beobachtet.
Der Ganzjahresreifen schließt die Lücke nur 15-mal
Die naheliegende Vermutung lautet: Wo der Winterreifen fehlt, springt der Ganzjahresreifen ein — er ist rechtlich gleichwertig und deckt beide Jahreszeiten ab. Diese Vermutung ist falsch. Von den 168 Größen ohne Winterreifen gibt es nur in 15 wenigstens einen Pkw-Ganzjahresreifen.
In der ersten Fassung stand hier eine 14. Diese Zahl war schon damals um eins zu niedrig: Unsere größenweise Abfrage meldete für 265/50 R22 null Ganzjahresreifen, während der Katalogauszug desselben Tages dort bereits den BFGoodrich Trail-Terrain T/A+ führte. Ein kleiner Fehler mit einer klaren Lehre — bei einer Zahl, die am Ende in der Überschrift landet, zählt man besser zweimal und mit zwei verschiedenen Werkzeugen.
An der Aussage dahinter ändert sich nichts, im Gegenteil: Der Ganzjahresreifen ist kein Auffangnetz, er folgt im Wesentlichen demselben Größenmuster wie der Winterreifen. Über alle 559 Größen hinweg existieren 350 mit Winter- und nur 314 mit Ganzjahresprofil; das Allwetterregal ist insgesamt sogar schmaler aufgestellt als das Winterregal, nicht breiter. Dass sich die Auswahl bei Ganzjahresreifen nicht an der Felgengröße entscheidet, sondern an der Flankenhöhe, hatten wir beim Ganzjahresangebot nach Querschnitt herausgearbeitet.
Die 15 Ausnahmen sind eine kleine, sehr spezielle Liste. Am besten versorgt sind 215/75 R15 mit fünf, 195/50 R20 und 205/70 R14 mit je vier sowie 225/70 R15 mit drei Allwetterausführungen; die übrigen elf Größen haben eine oder zwei. In 205/70 R14 — einer klassischen Kleinwagen- und Kompaktvangröße älterer Baujahre — stehen zum Beispiel der Minerva AS Master 205/70 R14 98T und der Imperial AS Driver 205/70 R14 98T bereit, beide als echte All-Season-Profile. Wichtig ist hier ein zweiter Blick auf die Flanke: In mehreren dieser Nischengrößen sind die Treffer All-Terrain-Reifen fürs Gelände — in 215/75 R15 etwa ausschließlich, in 225/70 R15 und 235/70 R15 ebenfalls. A/T-Profile tragen das Alpine-Symbol nicht automatisch, und ohne dieses Symbol sind sie im Sinne der Winterausrüstung keine Winterreifen.
In 17 Größen liegt der Winterreifen nur eine Rubrik weiter
Hier steckt der Befund, der die erste Fassung dieses Beitrags am deutlichsten korrigiert. Die Zählung oben fragt das Pkw-Regal ab. Unser Shop sortiert Reifen aber nicht nach Dimension, sondern nach Fahrzeugtyp — Pkw, SUV und Offroad, Van und Transporter. Zählt man die Lückengrößen gegen den gesamten Katalog statt nur gegen die Pkw-Rubrik, finden sich in 17 der 168 Größen doch Winter- oder Allwetterreifen, insgesamt 292 Ausführungen. Sie sind nur anders eingeordnet, und der Saisonfilter im Pkw-Bereich zeigt sie darum nicht.
Neun Größen haben einen maßgleichen SUV-Winterreifen. Hier stimmt die Dimension buchstabengenau mit der Sommergröße überein, der Reifen liegt lediglich unter den Offroad-Winterreifen — insgesamt 19 Ausführungen, und es sind keine Exoten: In 275/55 R17 steht der Continental WinterContact TS 850 P 275/55 R17 109H, in 255/65 R16 unter anderem der Kumho WinterCraft WS71 und der Hankook Winter i*cept evo2 SUV, in 245/55 R19 der Bridgestone Blizzak DM-V3 und der Nokian Hakkapeliitta R5 SUV, in 265/50 R22 der Michelin X-Ice Snow SUV, in 255/35 R22 und 305/35 R23 der Michelin Pilot Alpin 5 und in 285/35 R23 sowie 325/30 R23 der Pirelli Scorpion Winter 2. Das sind ausgewachsene Winterreifen von Herstellern mit Testhistorie. Wer in einer dieser Größen fährt, hat also eine Winteroption — er muss sie nur bei den Winterreifen für SUV und Geländewagen suchen und nicht im Pkw-Bereich.
Acht weitere Größen gibt es ausschließlich als C-Reifen, also als verstärkte Transporterausführung — und das sind in der Summe 273 Ausführungen, weil sich zwei Größen besonders ballen: In 225/65 R16 stehen 58 Winter- und 72 Ganzjahres-C-Reifen, in 225/70 R15 sind es 52 und 64. Hier ist Vorsicht geboten, denn maßgleich heißt nicht gleichwertig. Das C steht für eine höhere Tragfähigkeit bei meist niedrigerem Geschwindigkeitsindex; was hinter dieser Kennung und einem doppelten Lastindex steckt, erklärt unser Ratgeber zur C-Kennung am Reifen. In 225/65 R16 tragen die beiden Pkw-Sommerreifen die Indizes 100H und 100V, die winterfesten C-Reifen dagegen 112R — also 170 statt 210 oder 240 km/h. Zulässig ist das trotzdem: Nach § 36 Absatz 5 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung darf ein Winterreifen eine niedrigere Höchstgeschwindigkeit haben als das Fahrzeug, wenn die zulässige Geschwindigkeit im Blickfeld des Fahrers angegeben oder angezeigt wird — der bekannte Aufkleber am Armaturenbrett — und im Betrieb nicht überschritten wird. Ob Ihr Fahrzeug für die C-Ausführung freigegeben ist, steht trotzdem in den Papieren und nicht im Reifenregal.
Für die Praxis folgt daraus ein einfacher Rat, der die ganze Rechnerei abkürzt: Suchen Sie über die Größenseite, nicht über die Fahrzeugrubrik. Die Seite zu 225/65 R16 listet alle 204 bestellbaren Reifen dieser Dimension — Pkw, Transporter und Offroad gemeinsam, nach Saison aufgeschlüsselt. Im Pkw-Bereich wären es zwei Sommerreifen und sonst nichts.
Die harte Lücke: 141 Größen ohne jede Winteroption
Rechnet man beides heraus — die 15 Größen mit Pkw-Allwetterreifen und die zwölf Größen, die ausschließlich über eine andere Rubrik versorgt sind —, bleibt der harte Kern: In 141 der 488 Sommergrößen steht im gesamten Shop nichts Wintertaugliches, weder Winter- noch Allwetterprofil, in keiner Rubrik. Das sind 29 Prozent, und es ist die ehrlichere Zahl als die 151, die in der ersten Fassung an dieser Stelle stand.
Diese 141 Größen sind durchweg Randsortiment. Sie enthalten zusammen nur 512 der 17.733 Sommerausführungen, und in 64 von ihnen steht überhaupt nur ein einziger Reifen — nämlich der Sommerreifen, der die Größe in unsere Liste gebracht hat. Die größten Posten sind sämtlich Sport- oder Altformate: 215/35 R18 mit 29 Sommerreifen, 235/30 R20 mit 23, 275/35 R18 mit 22, 195/45 R15 und 175/60 R14 mit je 21, 305/30 R19 mit 17.
Dass diese Liste nicht in Stein steht, zeigt der Vergleich mit dem 30. September: Drei Größen sind innerhalb einer Woche in die Lücke gerutscht, weil ihr jeweils letzter Winterreifen aus dem Sortiment gefallen ist — in 275/35 R18 der Kumho WP71, in 325/30 R20 der Pirelli Winter 270 SottoZero Serie II und in 225/65 R16 der Goodride SW618. Umgekehrt hat eine Größe die Lücke wieder verlassen. Wer in einer dünn besetzten Dimension unterwegs ist, sollte diese Beweglichkeit einkalkulieren.
Die Lücke liegt an beiden Enden — und das zweimal
Wer vermutet, es träfe vor allem exotische Riesenformate, liegt nur zur Hälfte richtig. Sortiert man die 488 Sommergrößen nach der Flankenhöhe, zeigt sich eine deutliche U-Form:
- Flache Flanke (Querschnitt 25 bis 35): 129 Größen, davon 62 ohne Winterreifen (48 Prozent).
- Mittlere Flanke (40 bis 65): 280 Größen, davon nur 59 ohne Winterreifen (21 Prozent).
- Hohe Flanke (70 bis 85): 79 Größen, davon 47 ohne Winterreifen (59 Prozent).
Dasselbe Muster erscheint ein zweites Mal, wenn man nach dem Felgendurchmesser statt nach der Flanke sortiert — und diese zweite Sicht ist die aufschlussreichere: Bei 12 bis 14 Zoll fehlt der Winterreifen in 35 von 66 Größen (53 Prozent), bei 15 bis 17 Zoll in 53 von 144 (37 Prozent), bei 18 bis 20 Zoll nur in 48 von 187 (26 Prozent) und bei 21 bis 23 Zoll wieder in 32 von 91 (35 Prozent). Die Mitte, dort wo die allermeisten Autos unterwegs sind, ist solide versorgt; beide Ränder fallen ab.
An dieser Stelle müssen wir eine Zuordnung aus der ersten Fassung richtigstellen. Dort standen 175/60 R14, 195/45 R15, 175/60 R13 und 205/60 R13 als Beispiele für den „oberen Rand“ der Hochflanken-Formate. Das sind sie nicht: Mit Querschnitten von 45 bis 60 gehören sie in die mittlere Gruppe. Was sie wirklich verbindet, ist der kleine Felgendurchmesser von 13 und 14 Zoll. Die zweite Ursache der Lücke ist also nicht die hohe Flanke, sondern das kleine Rad. Echte Hochflanken-Lücken gibt es natürlich auch: 145/80 R12 mit sieben Sommerreifen und keinem Winterpendant; beim Querschnitt 80 fehlt der Winterreifen in 21 von 30 Größen, beim Querschnitt 85 in allen drei.
Die beiden Ränder fallen zudem aus völlig verschiedenen Gründen ab. Am unteren Rand stehen die extremen Querschnitte — beim Querschnitt 25 fehlt der Winterreifen in 17 von 19 Größen. Das sind Sport- und Tuningformate, bei denen die niedrige Flanke bauartbedingt kaum Raum für eine weiche Wintermischung und tiefe Lamellen lässt und deren Fahrzeuge im Winter ohnehin auf eine kleinere Dimension wechseln sollen. Bei den kleinen Rädern und Altformaten ist der Grund ein anderer, nämlich schlichte Stückzahl: Diese Größen sitzen an Kleinstwagen, Oldtimern, Youngtimern und Anhängern, für die sich eine eigene Winterproduktion nicht mehr rechnet.
Warum das trotzdem selten ein Drama ist
An dieser Stelle gehört eine Einordnung dazu, sonst führen die Zahlen in die Irre. 34 Prozent klingt dramatisch — gemessen an der Zahl der Größen. Gemessen an der Zahl der Reifen sieht es ganz anders aus: Die 168 Lückengrößen enthalten zusammen nur 625 der 17.733 erfassten Sommerausführungen, also 3,5 Prozent. Die Lücke sitzt fast vollständig im dünnen Randsortiment, nicht dort, wo die Masse der Autos fährt. Wer eine der zwei Dutzend gängigen Dimensionen fährt, wird von alldem nie etwas merken.
Dazu kommt ein zweiter, beruhigender Punkt: Dass es Ihre Sommergröße nicht als Winterreifen gibt, ist in aller Regel kein Versehen der Industrie, sondern so vorgesehen. Fahrzeuge mit extrem flacher Sommerbereifung sind vom Hersteller fast immer zusätzlich für eine kleinere Winterdimension freigegeben — der Wechsel auf ein schmaleres Rad mit höherer Flanke ist die eingeplante Winterlösung und nicht der Notbehelf. Und bei vielen der alten Kleinformate stellt sich die Frage praktisch gar nicht, weil die betroffenen Fahrzeuge im Winter ohnehin stehen: Oldtimer mit H-Kennzeichen, Saisonkennzeichen, Anhänger. Ein echtes Problem entsteht nur dort, wo ein alltäglich genutztes Auto genau eine eingetragene Größe hat und diese leer ausgeht — und das ist der seltene Fall.
Was das Gesetz verlangt — und warum allein das Alpine-Symbol zählt
Bevor Sie über Alternativen nachdenken, lohnt der Blick darauf, was im Winter überhaupt gefordert ist. Maßgeblich ist § 2 Absatz 3a der Straßenverkehrs-Ordnung: Ein Kraftfahrzeug darf „bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte“ nur gefahren werden, wenn alle Räder mit Reifen ausgerüstet sind, die den Anforderungen des § 36 Absatz 4 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung genügen (Quelle: § 2 StVO im Wortlaut). Deutschland kennt also keine an Kalendertage gebundene Pflicht, sondern eine situative: Es zählt das Wetter, nicht das Datum. Was das im Alltag bedeutet und welche Bußgelder drohen, steht in unserer Übersicht zur situativen Winterreifenpflicht.
Der entscheidende Satz steht eine Ebene tiefer, in § 36 Absatz 4 StVZO. Dort werden „Reifen für winterliche Wetterverhältnisse“ über zwei Bedingungen definiert: Der Reifen muss durch Laufflächenprofil, Mischung oder Bauart die Fahreigenschaften bei Schnee verbessern, und er muss mit dem Alpine-Symbol — dem Bergpiktogramm mit Schneeflocke nach der UNECE-Regelung Nr. 117 — gekennzeichnet sein (Quelle: § 36 StVZO im Wortlaut). Diese Aufzählung nennt an keiner Stelle eine Bauform. Dort steht nicht „Winterreifen“ und auch nicht „kein Ganzjahresreifen“ — dort steht ausschließlich das Symbol. Ein Ganzjahresreifen mit Alpine-Kennzeichnung erfüllt die Vorschrift also vollständig und gleichwertig; er ist rechtlich kein Ersatz zweiter Klasse. Wie zuverlässig das Piktogramm in dieser Bauform vorhanden ist, haben wir überprüft, indem wir 7.719 Ganzjahresreifen im EU-Register nachgeschlagen haben — nur zwei trugen es nicht.
Die alte „M+S“-Kennung allein genügt dagegen nicht mehr. Sie ist eine reine Herstellerangabe ohne Prüfung, während das Alpine-Symbol an eine genormte Schneegriffmessung gebunden ist. Auf dem EU-Etikett können sogar zwei verschiedene Wintersymbole auftauchen, von denen nur eines in Deutschland zählt — welches das ist, zeigt der Beitrag zu den Wintersymbolen auf dem EU-Reifenetikett.
Was Sie tun, wenn Ihre Größe betroffen ist
Stellen Sie zuerst fest, in welchem der drei Fälle Sie stecken; danach richtet sich alles Weitere.
Fall 1 — es gibt einen Pkw-Ganzjahresreifen. Das betrifft die 15 Größen von oben. Achten Sie beim Kauf auf das Alpine-Symbol, dann sind Sie vorschriftsmäßig unterwegs, und greifen Sie hier bewusst nicht zum billigsten Angebot: Ein Allwetterprofil muss zwei gegensätzliche Aufgaben erfüllen, und die Qualitätsunterschiede sind in dieser Klasse größer als bei reinen Winterreifen. Das komplette Angebot steht bei den Ganzjahresreifen für PKW. Ob sich ein Satz fürs ganze Jahr auch wirtschaftlich trägt, haben wir über sechs Jahre durchgerechnet: was Ganzjahresreifen gegenüber zwei Sätzen wirklich kosten.
Fall 2 — der passende Reifen liegt in einer anderen Rubrik. Das betrifft die 17 Größen aus dem Abschnitt oben. Suchen Sie über die Größenseite, prüfen Sie Last- und Geschwindigkeitsindex gegen die Angaben in Ihren Fahrzeugpapieren und klären Sie bei einer C-Ausführung, ob sie für Ihr Fahrzeug freigegeben ist. Bei den maßgleichen SUV-Winterreifen ist das meist unproblematisch, bei verstärkten Transporter-Winterreifen muss die Freigabe wirklich stimmen.
Fall 3 — es gibt gar nichts Wintertaugliches. Das ist mit 141 Größen der häufigste Fall, und dann führt kein Weg an einer anderen Dimension vorbei — an einer, die für Ihr Fahrzeug freigegeben ist. Die entscheidende Quelle sind Ihre Fahrzeugpapiere: In der Zulassungsbescheinigung Teil I stehen unter 15.1 und 15.2 die eingetragenen Größen, und die im CoC-Papier dokumentierte Liste ist oft deutlich länger. Wie Sie herausfinden, welche Reifengrößen für Ihr Auto zugelassen sind, erklären wir Schritt für Schritt — dieser Blick lohnt sich fast immer, weil viele Fahrzeuge ab Werk für drei bis sechs Dimensionen freigegeben sind.
Der klassische Ausweg heißt Downsizing. Für den Winter auf ein kleineres Rad mit höherer Flanke zu wechseln, ist bei vielen Fahrzeugen die ab Werk vorgesehene Lösung — und führt genau dorthin, wo die Auswahl wieder groß und der Preis niedriger ist. Wichtig ist nur, dass der Abrollumfang im zulässigen Rahmen bleibt, damit Tacho und Assistenzsysteme weiter korrekt arbeiten; warum die neue Größe denselben Abrollumfang haben muss, rechnen wir dort vor. Wann sich der Schritt lohnt und was er kostet, steht im Ratgeber zu Winterrädern eine Nummer kleiner. Landen Sie dabei in einer gängigen Dimension, ist die Sorge sofort vorbei — in 205/55 R16 stehen etwa der Continental WinterContact TS 870 205/55 R16 91H und 222 weitere Winterausführungen zur Wahl.
Und in jedem Fall: früh entscheiden. Wer in einer dünn besetzten Dimension unterwegs ist, hat keinen Puffer — die drei Größen, die binnen einer Woche ihren letzten Winterreifen verloren haben, sind dafür der beste Beleg. Wo drei Ausführungen lieferbar sind, kann nach der ersten Kaltfront gar nichts mehr verfügbar sein. Und weil Sie für eine abweichende Wintergröße meist ohnehin eigene Felgen brauchen, ist das der Moment, über einen zweiten Radsatz als Komplettrad nachzudenken: Dann ist der Wechsel künftig eine Sache von zehn Minuten in der eigenen Einfahrt.
Häufige Fragen
Darf ich für den Winter einfach eine andere Reifengröße montieren?
Nur, wenn die Dimension für Ihr Fahrzeug freigegeben ist. Maßgeblich sind die Zulassungsbescheinigung Teil I und die CoC-Papiere; viele Autos sind ab Werk für mehrere Größen eingetragen. Der Abrollumfang muss dabei im zulässigen Rahmen bleiben, damit Tachoanzeige und Assistenzsysteme weiter stimmen. Eine nicht freigegebene Dimension kann die Betriebserlaubnis kosten.
Darf ein Transporterreifen mit C-Kennung an den Pkw?
Nur, wenn Ihr Fahrzeug für diese Ausführung freigegeben ist. Der C-Reifen trägt mehr Last, hat aber meist einen niedrigeren Geschwindigkeitsindex und eine steifere Flanke, was Komfort kostet. Bei Winterreifen erlaubt § 36 Absatz 5 StVZO die niedrigere Höchstgeschwindigkeit, sofern ein entsprechender Hinweis im Blickfeld des Fahrers angebracht ist und die Geschwindigkeit eingehalten wird.
Woran erkenne ich, dass ein Reifen wirklich wintertauglich ist?
An dem kleinen Bergpiktogramm mit der Schneeflocke auf der Flanke, oft direkt neben der Größenangabe. Die reine Buchstabenkombination „M+S“ genügt seit Oktober 2024 nicht mehr, weil sie ohne genormte Prüfung vergeben wird. Im Zweifel finden Sie das Symbol auch in den Produktdaten des jeweiligen Artikels.