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Motorrad – Ratgeber im Magazin

190/50 ZR17: 57 Hinterreifen für Superbikes aus zwei Jahrzehnten

· 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 02.10.2026
Nahaufnahme eines breiten Motorrad-Hinterreifens auf Asphalt (KI-generiert, OpenAI)
Nahaufnahme eines breiten Motorrad-Hinterreifens auf Asphalt (KI-generiert, OpenAI)

Wer einen großen Sportler oder ein starkes Naked Bike fährt, findet auf dem Hinterrad oft eine Zahlenreihe, die seit einem Vierteljahrhundert zum Straßenbild gehört: 190/50 ZR17. Diese Größe hat die Superbike-Generation der späten Neunziger groß gemacht, sie steckt unter Tausenden von Maschinen aus den 2000er-Jahren – und sie wird bis heute ab Werk montiert. Trotzdem ist das Angebot in dieser Dimension deutlich anders sortiert als in der benachbarten 190/55. Wir haben unseren kompletten Bestand am 23. September 2026 ausgezählt und dazu unsere Freigabedatenbank abgefragt: 57 lieferbare Ausführungen, 53 verschiedene Profile, acht Marken – und eine Lücke, die kein Zufall ist.

Was 190/50 ZR17 73W über den Reifen sagt

Die Angabe liest sich von links nach rechts. Die 190 ist die Nennbreite in Millimetern, die 50 der Querschnitt in Prozent dieser Breite: Die Flanke ist also rund 95 Millimeter hoch. Das R steht für Radialbauart, die 17 für den Felgendurchmesser in Zoll. Das vorangestellte Z in der Schreibweise 190/50 ZR17 ist ein Erbe aus der Zeit, als Reifen jenseits von 240 km/h nur mit diesem Buchstaben gekennzeichnet wurden; heute steht die genaue Freigabe hinter der Größe.

Genau dort wird es eindeutig: Alle 57 lieferbaren Ausführungen dieser Größe tragen die Kennung 73W – ohne eine einzige Ausnahme. Die 73 ist der Lastindex und steht für 365 Kilogramm Tragfähigkeit je Reifen, das W erlaubt 270 km/h. Sie müssen bei dieser Größe also weder zwischen Tragfähigkeiten noch zwischen Geschwindigkeitsklassen abwägen – eine Auswahl, die es in vielen Pkw-Größen so nicht gibt. In der Praxis heißt das: Wenn in Ihren Papieren 190/50 ZR17 steht, passt jeder Reifen dieser Größe aus unserem Bestand zu den eingetragenen Kennungen. Wie sich die übrigen Zeichen auf der Flanke entschlüsseln lassen, erklären wir in Wie sich eine Motorradreifen-Größe Stelle für Stelle liest.

Welche Motorräder diese Größe fahren

In unserer Freigabedatenbank, die auch den Motorradreifen-Konfigurator mit hinterlegten Fahrzeugfreigaben speist, sind 193 Fahrzeugvarianten mit 190/50 R17 am Hinterrad verzeichnet, dazu 7.195 freigegebene Reifenpaarungen. Die Liste liest sich wie ein Querschnitt durch zwanzig Jahre Motorradbau: Yamaha YZF-R1 der Baujahre 1998 bis 2008, Suzuki GSX-R 1000 von 2001 bis 2016, Honda CBR 900 RR und CBR 1000 RR Fireblade, Kawasaki Z 1000 und ZZ-R 1400, Suzuki Hayabusa, Triumph Speed Triple, Ducati 999 und 749, Aprilia RSV Mille.

Der zeitliche Schwerpunkt ist deutlich. Von den 173 Fahrzeugvarianten mit hinterlegtem Baujahr starteten 122 vor 2010, allein 86 zwischen 2000 und 2009. Wer diese Größe fährt, fährt also mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Maschine, die ihre ersten Kilometer in den Nullerjahren gesehen hat. Verbindlich ist für Sie ohnehin nicht die Modellhistorie, sondern das eigene Dokument: In der Zulassungsbescheinigung Teil I stehen die zulässigen Reifengrößen in den Feldern 15.1 und 15.2, ergänzt um mögliche Eintragungen unter den Bemerkungen. Stimmen Ihre Papiere nicht mit dem überein, was gerade montiert ist, klären Sie das vor der Bestellung – nicht danach.

Ein Auslaufmodell ist die Dimension deshalb aber nicht. 18 Fahrzeugvarianten ab Baujahr 2020 stehen ebenfalls auf 190/50: die Suzuki-GSX-S-1000-Familie samt GT, GX und Katana, die Hayabusa ab 2021, die Kawasaki Ninja 1000 SX und ihre Nachfolgerin Ninja 1100 SX, die Z 1100 des Modelljahrs 2026, die Aprilia Tuono V4 und die Bimota KB4. Vorn passt dazu fast immer dieselbe Größe: 191 der 193 Fahrzeugvarianten fahren 120/70 R17 am Vorderrad, nur 25 Varianten – überwiegend italienische Sportler – sind zusätzlich für 120/65 R17 freigegeben. Was in dieser Vorderreifengröße im Regal steht, haben wir in 120/70 ZR17 im Bestandscheck ausgezählt.

57 Ausführungen, 53 Profile: der Bestand in Zahlen

Der Bestand dieser Größe hat eine ungewöhnliche Struktur: 57 lieferbaren Ausführungen stehen 53 verschiedene Profile gegenüber. Anders gesagt – fast jedes Modell gibt es hier genau einmal, Varianten desselben Profils sind die Ausnahme. Acht Marken teilen sich das Feld, angeführt von Pirelli mit zwölf und Bridgestone mit elf Ausführungen, gefolgt von Metzeler, Michelin und Dunlop mit je acht, Continental mit fünf, Mitas mit drei und Avon mit zwei.

Die Preisspanne reicht von 99,89 bis 326,90 Euro je Reifen, der Median liegt bei 159,81 Euro (Stand 23. September 2026). Sie ist dabei überraschend gleichmäßig besetzt: Zehn Ausführungen kosten weniger als 120 Euro, 23 liegen unter 150 Euro, und nur zwei überschreiten die 200-Euro-Marke. Auch zwischen den Marken sind die Abstände kleiner, als der Ruf vermuten lässt – der Markenmedian reicht von 138,94 Euro bei Continental bis 184,25 Euro bei Michelin. Alle Ausführungen sind Straßenreifen, alle werden einzeln verkauft: Anders als beim Auto ist der Satz hier nicht die Standardmenge, weil Vorder- und Hinterreifen selten gleichzeitig am Ende sind.

Ein praktischer Hinweis zur Suche: Die Größe kommt in zwei Schreibweisen im Handel vor. 52 der 57 Ausführungen sind als 190/50 ZR17 ausgezeichnet, fünf als 190/50 R17 – gemeint ist dasselbe Maß, und beide gehören auf dieselbe Felge. Wer nur nach einer Schreibweise sucht, übersieht also einen Teil des Angebots. Den tagesaktuellen Stand mit beiden Varianten sehen Sie unter alle lieferbaren Reifen in 190/50 R17; die Übersicht über das gesamte Segment finden Sie bei den Straßenreifen fürs Motorrad.

Was es in 190/50 nicht gibt – und warum

Spannender als das, was im Regal steht, ist bei dieser Größe das, was fehlt. Wir haben alle Profile der 190/50 gegen die der 190/55 gestellt: 43 der 53 Profile gibt es in beiden Größen, zehn ausschließlich in 190/50 – und 35 ausschließlich in 190/55. Diese 35 sind keine zufällige Auswahl. Darunter stecken nahezu sämtliche reinen Rennstreckenreifen des Marktes, etwa Michelin Power Slick 2 und Power Cup 2, Dunlop SX GP Racer D212, Continental RaceAttack Race und Metzeler Racetec TD Slick. Dazu kommen die Straßenreifen für schwere Reiseenduros wie Pirelli Scorpion Trail II, Continental TrailAttack 3, Bridgestone Battlax Adventure A41 und Dunlop Mutant.

In 190/50 ist deshalb kein einziger Reifen ohne Straßenzulassung im Bestand. Jede der 57 Ausführungen trägt eine reguläre Geschwindigkeitskennung; die im Motorradsport übliche Zusatzangabe NHS, die einen Reifen auf Rennstrecke oder geschlossenes Gelände beschränkt, kommt hier nicht vor. In der Nachbargröße sieht das anders aus, wie unser ausführlicher Ratgeber zur Nachbargröße 190/55 ZR17 zeigt.

Eine technische Zahl passt gut zu diesem Befund: Der 190/50 trägt mit Lastindex 73 genau 365 Kilogramm, der 190/55 mit Lastindex 75 dagegen 387 Kilogramm – 22 Kilogramm mehr je Reifen. Schwere Tourer und Reiseenduros mit viel Gepäck brauchen diese Reserve, und genau deren Profile sitzen fast ausnahmslos in der höheren Flanke. Umgekehrt halten sich in der 190/50 einige ältere Baureihen, die es sonst nirgends mehr gibt: Bridgestone RS 10 R, Dunlop Sportmax GPR300, Metzeler Roadtec Z6, Pirelli Angel ST oder Continental Contimotion M.

Der Preisunterschied zur 55er ist kleiner als gedacht

Weil beide Größen auf denselben Serienfelgen laufen – bei den meisten dieser Maschinen 6.00 x 17 Zoll, bei einigen 5.50 x 17 Zoll –, taucht regelmäßig die Frage auf, ob sich der Wechsel auf die andere Flankenhöhe lohnt. Rechtlich ist die Sache klar: Maßgeblich ist, was in Ihren Fahrzeugpapieren oder in der Unbedenklichkeitsbescheinigung steht; eine abweichende Größe verlangt die Änderungsabnahme nach § 19 StVZO samt Eintragung. Technisch kommt hinzu, dass der Abrollumfang nicht identisch ist: Rund 1.954 Millimeter beim 190/50 stehen etwa 2.013 Millimetern beim 190/55 gegenüber, ein Unterschied von gut drei Prozent, der Tachoanzeige und Fahrwerksgeometrie berührt.

Das Preisargument jedenfalls trägt die Diskussion nicht. Wir haben für alle 43 Profile, die es in beiden Größen gibt, den jeweils günstigsten Preis verglichen. Der 190/50 ist in 31 von 43 Fällen der billigere, aber der Median des Unterschieds beträgt nur 3,49 Euro je Reifen. Die Spanne reicht von 56,61 Euro Ersparnis bis zu 27,70 Euro Aufpreis – beides Ausreißer einzelner Baureihen. Wer zwischen den Größen wählen darf, entscheidet also über Fahrverhalten und Verfügbarkeit, nicht über den Geldbeutel.

Welcher Reifen zu welchem Fahrprofil passt

Die 53 Profile lassen sich grob in drei Gruppen sortieren. Sportlich und kurvenhungrig: Wer die Maschine bewegt und gelegentlich ein Trackday-Wochenende einplant, findet in dieser Größe die sportlichen Straßenmischungen der Hersteller, etwa den Metzeler Sportec M9 RR in 190/50 ZR17 für 152,37 Euro. Solche Reifen bauen früh Temperatur auf und geben am Kurvenscheitel viel Rückmeldung, verschleißen aber schneller als Tourenreifen.

Landstraße und lange Etappen: Für Fahrer, die Kilometer machen und bei jedem Wetter unterwegs sind, ist ein Sport-Touring-Reifen die passendere Wahl – etwa der Michelin Road 5 in 190/50 ZR17 für 164,96 Euro. Diese Klasse setzt auf Laufleistung und Nassgriff statt auf maximale Schräglagenreserve.

Preisbewusst ohne Kompromiss bei der Zulassung: Am unteren Ende der Preisliste stehen ältere, aber vollwertig zugelassene Baureihen der großen Marken, beispielsweise der Bridgestone S 21 R in 190/50 ZR17 für 117,38 Euro. Achten Sie hier besonders auf das Produktionsdatum, dazu gleich mehr.

Wie lange ein Satz hält, hängt bei dieser Größe stärker vom Gasgriff ab als vom Preis. Ein Hinterreifen an einem Liter-Sportler sieht bei zügiger Fahrweise deutlich früher die Verschleißgrenze als derselbe Reifen unter einem Sporttourer auf Langstrecke – Herstellerangaben zur Laufleistung sind deshalb bei Motorradreifen mit Vorsicht zu lesen. Verlässlicher ist der regelmäßige Blick auf die Verschleißindikatoren in den Profilrillen und auf das Profilbild in der Mitte: Ein Hinterreifen, der mittig abgeflacht ist, an den Flanken aber noch neu aussieht, ist fahrdynamisch am Ende, auch wenn die gesetzliche Mindestprofiltiefe noch nicht erreicht ist.

Eine Regel gilt für alle drei Gruppen: Vorder- und Hinterreifen sollten aus derselben Baureihe stammen. Die Hersteller stimmen Profil und Mischung paarweise ab, und eine gemischte Kombination kann das Lenkverhalten spürbar verändern. Für die Mittelklasse mit schmalerem Hinterrad haben wir das in Hinterreifen der Mittelklasse in 180/55 ZR17 aufgeschlüsselt.

Worauf Sie vor der Bestellung achten sollten

Drei Punkte sind bei dieser Größe wichtiger als bei anderen. Erstens das Reifenalter. Weil in 190/50 überdurchschnittlich viele auslaufende Baureihen liegen, lohnt der Blick auf die DOT-Nummer. Ein Motorradreifen altert auch ohne Kilometer, und gerade bei Restposten kann zwischen Produktion und Montage einige Zeit liegen.

Zweitens die Freigabe für Ihre Maschine. Auch wenn alle 57 Ausführungen dieselbe Kennung 73W tragen, ist damit nicht jede Reifen-Motorrad-Kombination automatisch freigegeben. Manche Hersteller binden die Unbedenklichkeit an bestimmte Profilpaarungen. Der Abgleich über den Konfigurator oder die Unterlagen zum Fahrzeug dauert zwei Minuten und erspart Diskussionen bei der Hauptuntersuchung.

Drittens die Montage. Ein 190er-Hinterreifen gehört auf die Maschine gewuchtet, und alte Ventile sowie Dichtungen wechselt man sinnvollerweise gleich mit. Wer den Reifen selbst besorgt und montieren lässt, sollte den Termin vor der Bestellung abstimmen – in der Wechselsaison sind die Werkstätten gut ausgelastet. Passende Profile und Preise für Ihre Maschine finden Sie jederzeit im Shop.

Häufige Fragen

Ist 190/50 ZR17 ein Vorder- oder ein Hinterreifen?

Es ist eine reine Hinterreifengröße. Der passende Vorderreifen ist bei 191 der 193 freigegebenen Fahrzeugvarianten ein 120/70 R17, bei einigen italienischen Sportlern zusätzlich ein 120/65 R17.

Was bedeutet die 73W hinter der Größe?

Die 73 ist der Lastindex und entspricht 365 Kilogramm Tragfähigkeit je Reifen, das W erlaubt bis zu 270 km/h. In 190/50 ZR17 tragen alle lieferbaren Ausführungen exakt diese Kennung.

Gibt es in dieser Größe reine Rennstreckenreifen?

Nein. Alle 57 lieferbaren Ausführungen sind für den Straßenverkehr zugelassen. Slicks und Reifen mit NHS-Kennzeichnung bietet der Markt in dieser Dimension nicht an.

Schlagwörter: Motorradreifen 190/50 ZR17 Hinterreifen Superbike Sport-Touring Kaufberatung

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