Motorradreifen in 180/55 ZR17: 117 Ausführungen im Regal – und zwei davon dürfen nicht auf die Straße
180/55 ZR17 ist die mit Abstand am häufigsten gefahrene Hinterreifengröße an sportlichen Motorrädern – von der 600er-Naked über das Sporttourer-Segment bis zum Supersportler. Wer hier den passenden Reifen wählt, entscheidet über Grip in Schräglage, Laufleistung und Komfort auf langen Etappen. Diese Größe ist fast immer der Hinterreifen; vorne läuft in den meisten Fällen ein 120/70 ZR17.
Wir haben die Größe einmal komplett ausgezählt. In unserem Katalog stehen 117 Ausführungen in 180/55 R17, alle lieferbar, verteilt auf 96 wirklich verschiedene Reifen von 11 Marken – zwischen 86,25 und 238,07 Euro. Zwei davon dürfen nie auf eine öffentliche Straße, 14 tragen gar kein ZR in der Bezeichnung, und 16 weitere Treffer in der Suche sind überhaupt keine Siebzehnzöller. Dieser Ratgeber erklärt, was die Kennung bedeutet, was das Regal hergibt und welche Reifen sich für welchen Fahrstil wirklich lohnen. Alle Zahlen beziehen sich auf unseren Katalogstand vom 8. Oktober 2026.
Was 180/55 ZR17 bedeutet – und warum 14 Reifen nur „R" heißen
Die Größenangabe steht auf der Flanke und lässt sich Stück für Stück entschlüsseln:
- 180 – Nennbreite des Reifens in Millimetern.
- 55 – Höhen-Breiten-Verhältnis in Prozent. Die Flankenhöhe beträgt also rund 55 % von 180 mm, das sind etwa 99 mm.
- ZR – Geschwindigkeitskategorie über 240 km/h, in Radialbauweise (R). Bei modernen Sportreifen steht hinter der Tragfähigkeit zusätzlich ein genauer Geschwindigkeitsindex.
- 17 – Felgendurchmesser in Zoll.
Vollständig liest sich die Kennung meist als 180/55 ZR17 M/C 73W. Das M/C (Motorcycle) kennzeichnet den Reifen eindeutig als Motorradreifen und grenzt ihn von ähnlich dimensionierten Auto- oder Rollerreifen ab. Die 73 ist der Tragfähigkeitsindex (73 = 365 kg je Reifen), das W der Geschwindigkeitsindex (W = bis 270 km/h). Eine ausführliche Erklärung aller Zeichen finden Sie in unserem Ratgeber Motorradreifen-Größe lesen.
Dass praktisch jeder Reifen dieser Größe „ZR" trägt, stimmt allerdings nicht. Von den 117 Ausführungen im Regal führen nur 101 das ZR in der Bezeichnung. 14 stehen als schlichtes 180/55 R17 da, zwei als 180/55 B17 – B steht für einen Diagonalgürtelreifen, eine Bauart, die bei grob gestollten Geländeprofilen bis heute üblich ist. Praktisch suchen Sie also nach beiden Schreibweisen; es ist dieselbe Größe, und maßgeblich ist ohnehin die Kennung dahinter. Bei 106 der 117 Ausführungen lautet sie 73W. Nur neun weichen davon ab – mit 73H (210 km/h), 73V (240 km/h), 73T (190 km/h) und 73Q (160 km/h) –, und genau ein einziger Reifen trägt die höhere Tragfähigkeit 75 (387 kg). Höhere Indizes sind unkritisch, niedrigere nicht zulässig.
Eine Falle bei der Suche: Auf die Zeichenfolge „180/55" passen in unserem Katalog 133 Reifen – aber nur die genannten 117 sind 17-Zöller. Die übrigen 16 sind Achtzehnzöller (180/55 B18, 180/55 ZR18, 180/55-18). Das ist eine andere Felgengröße und kein Ersatz, auch nicht übergangsweise. In Trefferlisten stehen beide unmittelbar nebeneinander, weil sie sich nur in diesem einen Zeichen unterscheiden. Achten Sie deshalb immer auf die Zahl am Ende, nicht nur auf die ersten beiden Werte.
Wichtig: Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex dürfen die Werte in den Fahrzeugpapieren bzw. der Reifenfreigabe nie unterschreiten. Ein höherer Index ist unkritisch, ein niedrigerer ist nicht zulässig und kann bei der Hauptuntersuchung zum Problem werden.
Was im Regal steht: 117 Ausführungen, 96 Reifen, 11 Marken
Sortiert man die 117 Angebote nach Marke, Baureihe und Kennung, bleiben 96 eindeutige Reifen übrig. Dreizehn Baureihen erscheinen mehrfach, weil derselbe Modellname in derselben Größe in verschiedenen Ausführungen gebaut wird – unterschiedliche Mischungen, verstärkte GT-Versionen, Rennstreckenvarianten. Jede davon hat eine eigene Artikelnummer, und sie kosten unterschiedlich viel: Beim Bridgestone S 21 R liegen zwischen der günstigsten und der teuersten Ausführung 64,8 Prozent. Warum derselbe Name mehrfach im Shop steht und wie Sie die Varianten auseinanderhalten, haben wir am Beispiel beider Größen im Beitrag 120/70 und 180/55 ZR17 als Satz durchgerechnet.
Mengenmäßig führen Pirelli (23 Ausführungen), Bridgestone (22), Metzeler (20) und Dunlop (16) das Feld an, dazu kommen Michelin, Continental, Avon, Maxxis, Mitas, Heidenau und CST. Die Preisspanne reicht von 86,25 Euro für den günstigsten bis 238,07 Euro für den teuersten Eintrag, der Median liegt bei 156,13 Euro. Rechnet man je Baureihe nur die günstigste Ausführung, sinkt der Höchstpreis auf 215,20 Euro – ein guter Teil der scheinbaren Preisspreizung entsteht also innerhalb der Modelle, nicht zwischen ihnen. Für Sie heißt das: Vergleichen lohnt sich zuerst innerhalb der Baureihe, auf die Sie ohnehin zusteuern.

Welche Motorräder 180/55 ZR17 fahren
180/55 ZR17 ist die klassische Hinterradgröße der mittleren bis großen Sport- und Naked-Klasse. Typisch ist sie an vielen Naked Bikes und Sporttourern von etwa 600 bis 1000 cm³ sowie an zahlreichen Supersportlern. Leistungsstärkere Superbikes setzen hinten dagegen häufig auf die breitere 190/55 ZR17 oder 190/50 ZR17.
Ob Ihr Motorrad 180 oder 190 fährt, steht in den Papieren bzw. in der Reifenfreigabe des Herstellers. Bauen Sie nie eigenmächtig einen breiteren Reifen auf: Felgenmaulweite, Schwingenfreiheit und das gesamte Lenkverhalten sind auf die freigegebene Breite abgestimmt. Ein zu breiter Reifen quetscht sich auf der schmaleren Felge zu einem spitzeren Querschnitt zusammen, kippt beim Einlenken unruhiger ab und kann im schlimmsten Fall an Kettenschutz oder Schwinge streifen. Welche Kombinationen erlaubt sind, klärt allein die Typprüfung Ihres Fahrzeugs – im Zweifel hilft ein Blick in die Reifenfreigabeliste des Herstellers.
Das vergleichsweise flache 55er-Querschnittsverhältnis ist typisch für den Sportbereich: Es sorgt für eine direkte, präzise Rückmeldung beim Einlenken und eine stabile Aufstandsfläche in Schräglage. Höhere Querschnitte wie 60 oder 70 findet man dagegen eher an Tourern und Enduros, wo Komfort und Dämpfung wichtiger sind als das letzte Quäntchen Handling.
Vorn 19 oder 21 Zoll: die Adventure-Fraktion
Eine Gruppe wird bei dieser Größe gern übersehen: Elf der 117 Ausführungen sind keine Straßen-, sondern Enduro- und Adventure-Reifen. Große Reiseenduros fahren hinten durchaus 180/55 R17 – vorne aber eben kein 120/70 ZR17. Beim Michelin Anakee Adventure etwa stehen als Vorderreifen 110/80 R19, 120/70 R19, 100/90-19 und 90/90-21 im Regal, beim Pirelli Scorpion Trail III sind es 130/80 R17 und 140/80 R17. Wer eine solche Maschine fährt, sucht den Partnerreifen also in der Größe, die auf der eigenen Vorderradflanke steht, und nicht automatisch in 120/70.
Auf die Geschwindigkeitsfreigabe lohnt hier ein besonders genauer Blick. Während die Straßenreifen fast durchgängig bis 270 km/h zugelassen sind, trägt der grob gestollte Continental TKC 80 Twinduro in 180/55 B17 die Kennung 73Q und ist damit nur bis 160 km/h freigegeben; der Heidenau K 60 Scout kommt mit 73T auf 190 km/h. Beide sind zugleich die einzigen zwei Diagonalgürtelreifen der Größe. Liegt die Höchstgeschwindigkeit Ihres Motorrads darüber, ist das kein Detail, sondern ein Ausschlusskriterium. Straßenbetonte Adventure-Profile wie der Bridgestone Battlax Adventure A41 stehen dagegen mit 73W bei 270 km/h. Das übrige Angebot für diese Fahrzeuge finden Sie unter Enduro- und Crossreifen; wie Sie bei Reiseenduros zwischen Straße und Gelände abwägen, lesen Sie unter Enduro- und Adventure-Reifen.
Zwei Ausführungen dürfen nicht auf die Straße
Zwei der 117 Reifen tragen überhaupt keine Betriebskennung, sondern die drei Buchstaben NHS: der Continental RaceAttack Race und der Metzeler Racetec TD Slick. NHS steht für „Not for Highway Service" – diese Reifen besitzen keine Zulassung für öffentliche Straßen und sind für Rennstrecke und abgesperrtes Gelände gedacht. Wer sie an ein zugelassenes Motorrad montiert, riskiert nach § 19 Absatz 2 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung das Erlöschen der Betriebserlaubnis; wie sich das auf den Versicherungsschutz auswirkt, hängt vom Vertrag und vom Einzelfall ab und lässt sich nicht pauschal beantworten.
Tückisch ist, dass die beiden preislich im Mittelfeld liegen und in derselben Trefferliste auftauchen wie der Tourenreifen – ein niedriger Preis ist hier also kein Warnsignal. Das verlässliche Erkennungszeichen ist die Bezeichnung selbst: Folgt hinter der Größe keine Zahl-Buchstaben-Kombination wie 73W, sondern NHS, ist der Reifen nicht für den Straßenverkehr bestimmt. Welche Reifen aus unserem Sortiment das sonst noch betrifft, steht im Beitrag NHS auf der Flanke.
Welcher Reifen passt zu welchem Fahrstil?
Die Größe gibt es vom günstigen Allrounder bis zum Trackday-Reifen. Entscheidend ist, wie und wo Sie fahren – nicht der höchste Preis. Seien Sie dabei ehrlich zu sich selbst: Ein reinrassiger Sportreifen bringt auf dem Weg zur Arbeit keinen Vorteil, verschleißt schneller und braucht mehr Wärme, um seinen Grip abzurufen. Umgekehrt fühlt sich ein Tourenreifen unter einem ambitionierten Landstraßenfahrer schnell schwammig an. Wer sein tatsächliches Streckenprofil trifft, fährt sicherer und günstiger als mit dem teuersten Reifen im Regal. Eine grundsätzliche Einordnung nach Fahrertyp liefert unser Ratgeber Motorradreifen richtig wählen.
Immer als Satz denken: Motorradreifen werden für ein abgestimmtes Profilpaar entwickelt. Der Hinterreifen läuft am besten mit dem dazu passenden Vorderreifen – in der Regel ein 120/70 ZR17 derselben Modellreihe. Mischen Sie nach Möglichkeit kein Sportprofil vorne mit einem Touringprofil hinten: Lenkverhalten und Grip-Niveau passen dann nicht mehr zusammen. Wann unterschiedliche Reifen vorne und hinten überhaupt zulässig sind, erklärt unser Beitrag Motorradreifen mischen.
Günstiger Allrounder & Einsteiger: Für Pendler, gemäßigte Tourenfahrer und alle, die ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis suchen. Solche Reifen sind gutmütig ausgelegt, verzeihen Fehler und bieten ausreichend Grip für den Alltag – auf Kosten der letzten Schräglagen-Reserve. Ein Beispiel aus unserem Sortiment ist der Continental Contimotion M 180/55ZR17 73W; auch der bewährte Metzeler Sportec M3, mit 86,25 Euro zugleich der günstigste Reifen der ganzen Größe, fällt in diese Kategorie. Wer überwiegend pendelt und selten in Grenzbereiche kommt, ist hier bestens bedient.
Sportlich & kurvenhungrig: Für zügige Landstraßenfahrer und Naked Bikes, die viel Schräglage sehen. Diese Reifen bieten direktes Einlenken und hohen Kurvengrip, dafür meist etwas weniger Laufleistung und eine kürzere Aufwärmphase, bis sie auf Temperatur sind. Stark nachgefragt ist der Metzeler Sportec M7 RR 180/55ZR17 73W; dessen aktuelle Nachfolger stellen wir im Beitrag Neue Metzeler-Reifen 2026: Sportec 01 und Sportec 01 RS vor. Ebenfalls in diesem Segment: Continental SportAttack, Pirelli Diablo und – noch eine Stufe sportlicher in Richtung Trackday – Michelin Power 6 oder Bridgestone Battlax RS12.
Sport-Touring & Vielfahrer: Wer viele Kilometer macht, will lange Laufleistung, gute Nässeeigenschaften und Reserven bei jedem Wetter. Sport-Touring-Reifen verbinden Tourentauglichkeit mit sicherem Kurvengrip und bleiben auch bei kühlen Temperaturen und Regen berechenbar. Ein Beispiel ist der Michelin Road 6 GT 180/55ZR17 73W; die GT-Variante ist speziell für schwerere Maschinen und Zuladung ausgelegt. Auch der Dunlop Roadsmart IV und der Pirelli Angel GT II gehören dazu – Letzteren stellen wir im Beitrag Pirelli Angel GT II ausführlich vor.
Adventure mit Straßenschwerpunkt: Für Reiseenduros mit 17-Zoll-Hinterrad zählt weniger die maximale Schräglage als Laufleistung, Nässegrip und Stabilität mit Gepäck und Sozius. Wie stark die Gummimischung über Grip und Haltbarkeit entscheidet – Stichwort Single- oder Dual-Compound –, erklärt unser Ratgeber zur Gummimischung bei Motorradreifen. Alle lieferbaren Ausführungen dieser Größe finden Sie auf der Übersicht 180/55 R17 sowie unter Motorradreifen für die Straße.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
- Felgengröße prüfen: 180/55 R17 und 180/55 R18 unterscheiden sich um einen Zoll und passen nicht gegeneinander. Die Größe steht auf der Flanke Ihres bisherigen Reifens.
- Freigabe prüfen: Größe, Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex müssen zu Papieren bzw. Reifenfreigabe passen. Im Zweifel scheitert sonst die Hauptuntersuchung.
- Bei gleichem Namen die Kennung vergleichen: Zusätze wie GT, SP oder SC2 unterscheiden Ausführungen desselben Modells – erst sie sagen, welchen Reifen Sie bekommen.
- Als Satz denken: Vorder- und Hinterreifen möglichst aus derselben Modellreihe – so stimmt das Zusammenspiel von Kontur und Grip.
- Reifenalter beachten: Auch ungefahrene Reifen altern. Achten Sie auf die DOT-Nummer und kaufen Sie keine überlagerte Ware; als grobe Faustregel gelten mehr als fünf Jahre als kritisch.
- Richtig einfahren und Verschleiß im Blick behalten: Neue Reifen sind anfangs glatt und müssen behutsam eingefahren werden – Luftdruck und Einfahren erklärt unser Beitrag Reifendruck und neue Reifen einfahren, das Ende der Nutzungsdauer unser Ratgeber Motorradreifen-Verschleiß erkennen.
Mit der richtigen Wahl holen Sie aus 180/55 ZR17 genau das heraus, was Ihr Motorrad kann – ob sicheres Pendeln, sportliche Landstraße oder entspannte Tour.
Häufige Fragen
Ist 180/55 ZR17 ein Vorder- oder Hinterreifen?
Es ist immer ein Hinterreifen; einen Vorderreifen in dieser Breite gibt es nicht. Der passende Partner vorn ist bei Straßenmaschinen meist ein 120/70 ZR17 derselben Modellreihe, bei großen Reiseenduros dagegen ein 19- oder 21-Zöller.
Ist 180/55 R17 dasselbe wie 180/55 ZR17?
Ja – beide bezeichnen denselben Radialreifen in derselben Größe; ZR weist zusätzlich auf die Auslegung für über 240 km/h hin. In unserem Regal steht die Größe 101-mal mit ZR und 14-mal mit einfachem R. Maßgeblich ist die Kennung dahinter, etwa 73W.
Kann ich statt 180/55 ZR17 einen 190er-Reifen montieren?
Nur, wenn die Größe für Ihr Motorrad freigegeben ist. Die zulässigen Reifengrößen stehen in den Fahrzeugpapieren bzw. in der Reifenfreigabe des Herstellers. Eine eigenmächtig breitere Bereifung ist nicht zulässig und verändert das Fahrverhalten spürbar.
Alle genannten Stückzahlen und Preise beziehen sich auf unseren Katalogstand vom 8. Oktober 2026 und können sich ändern.