SUV- und Offroad-Reifen: Welcher Reifen wirklich zu Ihrem SUV passt
SUVs und Geländewagen sind schwerer, höher und stärker motorisiert als ein normaler Pkw – und genau das stellt besondere Anforderungen an die Reifen. Wer hier zum falschen Profil greift, zahlt mit längerem Bremsweg, höherem Verbrauch und schnellerem Verschleiß. Für diesen Ratgeber haben wir unser komplettes SUV- und Offroad-Regal ausgezählt: 7.947 lieferbare Ausführungen von 87 Marken, Stand 2. Oktober 2026. Die Zahlen zeigen etwas, das in kaum einer Kaufberatung steht – das SUV-Regal ist an der Spitze genauso gut wie das Pkw-Regal, aber am unteren Ende deutlich schlechter. Worauf Sie deshalb achten müssen, steht in diesem Beitrag.
Was im SUV-Regal wirklich liegt: 7.947 Reifen, 87 Marken
Zunächst die Bestandsaufnahme, denn sie ordnet alles Weitere ein. In unserer Rubrik Offroad-Reifen stehen derzeit 7.947 lieferbare Ausführungen ab 15 Zoll – das sind alle Reifen, die wir Pkw-SUVs, Geländewagen und Pick-ups zuordnen. Dazu kommen 350 Quad- und ATV-Reifen, die in derselben Rubrik geführt werden, technisch aber eine eigene Welt sind; sie finden Sie gesondert unter Quad- und ATV-Reifen und sind in allen folgenden Zahlen nicht enthalten.
Die 87 Marken reichen von Premium bis Budget, und die Mengenverteilung überrascht: Mit 898 Ausführungen stellt Pirelli das größte Angebot, gefolgt von Hankook (608), Continental (461), Michelin (442), Yokohama (341) und Bridgestone (340). Ein SUV-Regal ist also kein Nischenregal – allein die sechs größten Marken bringen mehr als 3.000 Ausführungen mit.
Nach Saison teilt sich der Bestand in 5.606 Sommerreifen (70,5 Prozent) und 2.341 Winterreifen (29,5 Prozent). Und hier steckt die erste praktische Erkenntnis, auf die wir weiter unten zurückkommen: Ganzjahresreifen gibt es in dieser Rubrik überhaupt nicht – null Ausführungen. Wer im Shop nach Fahrzeugklasse filtert, bekommt also ausschließlich Sommer- und Winterreifen zu sehen.
Beim Durchmesser liegt das Schwergewicht weit oben: 19 Zoll und größer machen 49,6 Prozent des SUV-Regals aus, 15 und 16 Zoll zusammen nur 15,6 Prozent. Das ist kein Zufall, sondern Erstausrüstung – moderne SUVs kommen mit großen Rädern vom Band. Für den Preis hat das Folgen, die oft dem Reifen zugeschrieben werden, obwohl sie am Durchmesser hängen. Auch dazu unten mehr.
Warum SUV-Reifen eine eigene Klasse sind – und was die Tragfähigkeit verrät
Ein SUV bringt schnell 1,8 bis über 2,5 Tonnen auf die Waage. Dieses höhere Gewicht, der höhere Schwerpunkt und oft auch mehr Leistung bedeuten für den Reifen vor allem eines: Er muss mehr tragen. Wie viel mehr, lässt sich an unserem Regal exakt ablesen – und der Unterschied ist größer, als die meisten vermuten.
Der Tragfähigkeitsindex steht auf jeder Flanke und lässt sich in Kilogramm je Reifen umrechnen. Im SUV-Regal liegt dieser Wert im Median bei 975 Kilogramm, im Pkw-Regal mit seinen 35.504 lieferbaren Ausführungen bei 710 Kilogramm. Das ist ein Unterschied von 265 Kilogramm je Reifen, also mehr als eine Tonne über alle vier Räder. Noch deutlicher wird es an der Schwelle von einer Tonne: 46,1 Prozent der SUV-Reifen tragen 1.000 Kilogramm oder mehr – im Pkw-Regal sind es 6,0 Prozent. Das ist der Faktor 7,7. Und 18,1 Prozent der SUV-Reifen gehen sogar auf 1.120 Kilogramm oder darüber hinaus; die Spanne im Regal reicht von 462 bis 1.700 Kilogramm je Reifen.
Diese eine Kennzahl ist der eigentliche Grund, warum es SUV-Reifen als eigene Produktlinie gibt. Nicht das grobe Profil, nicht der Name, nicht das Marketing – die Karkasse muss die Last aushalten. Deshalb tragen viele Modelle den Zusatz SUV oder 4x4 im Namen: Sie sind auf das Gewicht und das Fahrverhalten hoher Fahrzeuge abgestimmt.
Praktisch heißt das: Der montierte Reifen muss mindestens den Tragfähigkeitsindex aus Ihrer Zulassungsbescheinigung Teil I (Felder 15.1 und 15.2) erreichen. Ein höherer Wert ist zulässig, ein niedrigerer nicht – und zwar ohne jede Ausnahme, auch nicht im Winter (ADAC, Lastindex). Wichtig ist dabei: Die Tabellenwerte gelten nur unter Normbedingungen. Sinkt der Fülldruck, sinkt auch die zulässige Tragfähigkeit – weshalb am schwer beladenen SUV der Reifendruck keine Nebensache ist. Ob die tragfähigere Ausführung einer Größe mehr kostet, haben wir an 25 Größen im Beitrag Winterreifen fürs SUV durchgerechnet.
Highway, All-Terrain oder Mud-Terrain? Die drei Profiltypen
Die zweite Entscheidung beim SUV-Reifen ist der Profiltyp. Er richtet sich danach, wie viel Sie wirklich abseits befestigter Straßen fahren. Eine grobe Faustregel: Der Reifen sollte zum tatsächlichen Einsatz passen – nicht zum Abenteuer-Wunschbild.
Highway-Terrain (HT) sind klassische Straßenreifen für SUV und Geländewagen. Ihr Profil ähnelt einem guten Pkw-Reifen, ist aber für das höhere Gewicht ausgelegt: kurze Bremswege auf nasser und trockener Straße, geringe Abrollgeräusche, niedriger Rollwiderstand. Für die große Mehrheit der SUV-Fahrer, die fast ausschließlich auf der Straße unterwegs sind – inklusive gelegentlicher Feld- oder Schotterwege – ist das die richtige Wahl. Worauf es bei dieser Klasse ankommt, lesen Sie unter Highway-Terrain-Reifen (H/T).
All-Terrain (AT) haben ein gröberes, offeneres Profil und sind robuster gegen Steinschlag und Schnitte. Sie sind ein Kompromiss zwischen Straße und Gelände und bei Campern, Pick-ups und Offroad-Fans beliebt. Der Kompromiss hat seinen Preis: Auf der Straße – und gerade bei Nässe – büßen AT-Reifen messbar Sicherheit ein. Sinnvoll sind sie für alle, die regelmäßig auf unbefestigten Wegen, Baustellen oder in leichtem Gelände unterwegs sind und die Abstriche bewusst in Kauf nehmen. Ob sich das für Ihr Fahrprofil rechnet, wägen wir unter Lohnt sich ein All-Terrain-Reifen im Alltag? ab – dort steht auch, warum unser Regal zwei sehr verschiedene Sorten AT-Reifen kennt.
Mud-Terrain (MT) tragen ein sehr grobes Stollenprofil für maximale Traktion in Schlamm, Sand und schwerem Gelände. Auf Asphalt sind sie laut, verschleißen schneller und bieten deutlich weniger Grip; dazu fehlt vielen von ihnen das EU-Reifenlabel ganz. MT-Reifen sind echten Geländefahrzeugen vorbehalten, die überwiegend abseits der Straße bewegt werden. Wann sich der grobe Stollenreifen tatsächlich lohnt und wo seine Grenzen liegen, steht unter Mud-Terrain-Reifen (MT).
Wie weit diese drei Welten auseinanderliegen, zeigt sich übrigens schon innerhalb einer einzigen Reifenfamilie: Beim Goodyear Wrangler reichen die Label-Noten von A bis E, je nachdem welches Profil der Familie Sie wählen – nachgerechnet im Wrangler-Überblick.
Tipp: Wählen Sie den Profiltyp ehrlich nach Ihrem realen Fahrprofil. Wer zu 95 Prozent auf der Straße fährt, ist mit einem guten Straßen-SUV-Reifen sicherer und sparsamer unterwegs als mit grobstolligen Geländereifen.
Was die Tests über Geländereifen sagen
Wie groß der Unterschied zwischen Anspruch und Straßentauglichkeit ist, hat der ADAC 2025 in einem eigenen Test gemessen – und das Ergebnis fiel deutlicher aus als erwartet. Geprüft wurden acht All-Terrain-Reifen in der Dimension 225/65 R17, einer Größe, die unter anderem auf den VW Bus passt. Kein einziger der getesteten Reifen wurde als empfehlenswert eingestuft.
Der eigentliche Clou des Tests ist der Referenzreifen: Der ADAC ließ einen gewöhnlichen Pkw-Ganzjahresreifen (Pirelli Cinturato SF3) in allen Disziplinen mitlaufen – bewusst einen Ganzjahresreifen, weil alle getesteten AT-Reifen das Alpine-Symbol tragen und damit ebenfalls wintertauglich sind. Der Vergleich ist eindeutig: Der beste AT-Reifen, der Yokohama Geolandar A/T G015, kam auf die Gesamtnote 2,9. Der mitlaufende Pkw-Ganzjahresreifen schaffte 2,1 und war damit fast eine ganze Note besser.
Am klarsten wird es beim Nassbremsen aus 80 km/h: Der schlechteste Kandidat, ein BF Goodrich Trail Terrain T/A, stand erst nach 48,8 Metern. Selbst der beste AT-Reifen in dieser Disziplin brauchte knapp 40 Meter – und damit rund sechs Meter mehr als der normale Pkw-Reifen. Sechs Meter sind die Länge eines Campervans und entscheiden darüber, ob es vor dem Hindernis noch reicht. Auch im Gelände war der Vorsprung kleiner als gedacht: Auf dem Schotterparcours landete der Pkw-Referenzreifen auf Platz zwei, und auf bewässerter Wiese war die Traktion der AT-Reifen nicht merklich besser – entscheidend war, ob das Fahrzeug Allradantrieb hatte. Nur in einem Punkt war der Geländereifen klar robuster: Nach der Schotter-Tortur hatte der Ganzjahresreifen schon Profilstücke verloren.
Im Schnee trennte sich das Feld am weitesten: zwischen der besten Schneenote (Yokohama, 2,4) und der schlechtesten (Bridgestone, 4,2) liegen fast zwei Noten. Das ADAC-Fazit lautet, dass die Nutzung von AT-Reifen „einen merklichen Verlust an Fahrsicherheit im Vergleich zu einem Pkw-Reifen“ bedeutet; für schwere Campingfahrzeuge mit hohen Traglasten empfiehlt der Club stattdessen den Blick auf C- beziehungsweise CP-Reifen, die es auch mit Ganzjahresfreigabe gibt (ADAC, Testbericht). Alle acht Kandidaten mit Noten, Preisen und dem Abgleich gegen das EU-Label haben wir im ADAC All-Terrain-Reifentest 2025 aufbereitet.
Die Kennzeichnung lesen: der Lastindex zählt, nicht das XL
Beim SUV ist die korrekte Reifenkennzeichnung besonders wichtig, weil das hohe Gewicht keine Reserven erlaubt. In vielen Ratgebern – auch in einer früheren Fassung dieses Beitrags – steht an dieser Stelle, man solle auf die Kennung XL beziehungsweise Reinforced achten. Unsere eigenen Katalogdaten sagen etwas anderes, und das ist eine wichtige Korrektur: Die XL-Kennung ist in unseren Produktdaten nur bei 0,13 Prozent der SUV-Reifen überhaupt hinterlegt – im Pkw-Regal bei 0,47 Prozent. So selten ist die verstärkte Bauweise in der Realität natürlich nicht; die Angabe wird von den Lieferanten einfach nicht verlässlich mitgeliefert. Genau deshalb ist sie zum Prüfen untauglich.
Verlassen Sie sich stattdessen auf den Tragfähigkeitsindex selbst. Er ist bei 7.944 von 7.947 Ausführungen hinterlegt, also praktisch lückenlos, und er ist die Zahl, auf die es rechtlich ankommt. Ein Reifen mit Index 100 trägt 800 Kilogramm, einer mit 110 bereits 1.060 Kilogramm. Wer die Zahl aus dem Fahrzeugschein mit der Zahl im Angebot vergleicht, hat die Tragfähigkeit geprüft – unabhängig davon, ob irgendwo „XL“ steht.
Die übrigen Angaben auf der Flanke in der Kurzfassung:
- Geschwindigkeitsindex: Im SUV-Regal dominiert V (bis 240 km/h) mit 30,2 Prozent, dahinter H (210 km/h) mit 21,8 Prozent, Y mit 16,4 Prozent und W mit 12,6 Prozent. Knapp 59 Prozent der Reifen sind also für V oder schneller freigegeben – die langsamen Kennungen Q, S und T zusammen machen nur 17,5 Prozent aus und sitzen überwiegend an Geländeprofilen. Auch hier gilt der Wert aus den Fahrzeugpapieren als Mindestmaß.
- Alpine-Symbol (3PMSF): Für den Winter zählt seit dem 1. Oktober 2024 nur noch das Schneeflocken-Symbol. Die alte Kennung „M+S“ allein gilt nicht mehr als Winternachweis.
- MFS und andere Zusätze: Die häufigste Zusatzkennung im SUV-Regal ist MFS (Felgenschutzrippe) mit 26,4 Prozent. Runflat-Reifen sind mit 2,6 Prozent eine Randerscheinung, selbstdichtende Reifen mit 0,3 Prozent noch seltener. Bei 56,7 Prozent der Ausführungen steht in diesem Feld gar nichts – ein fehlender Eintrag ist also kein Mangel am Reifen.
Wie Sie alle Zahlen und Buchstaben auf der Flanke entschlüsseln, erklären wir ausführlich unter Reifengröße ablesen.
Oben gleich gut, unten deutlich schlechter: was das EU-Label verrät
Jetzt zu dem Befund, der uns beim Auszählen am meisten überrascht hat. Die verbreitete Annahme lautet, SUV-Reifen seien pauschal schlechter als Pkw-Reifen – bei Nässe, beim Verbrauch, beim Geräusch. Das Regal sagt etwas Genaueres: An der Spitze ist das SUV-Angebot genauso gut, am unteren Ende aber viel schlechter.
Bei der Nasshaftung tragen 24,1 Prozent der SUV-Reifen mit Etikett die Bestklasse A – im Pkw-Regal sind es 24,7 Prozent. Das ist praktisch derselbe Wert; wer einen SUV-Reifen mit A sucht, findet ihn genauso leicht wie beim Pkw, nämlich unter 1.901 Ausführungen. Ganz anders sieht es am unteren Ende aus: Die schlechteste Klasse E haben im SUV-Regal 14,7 Prozent, im Pkw-Regal nur 4,2 Prozent – das ist der Faktor 3,5. Die gutmütige Mitte fehlt dafür: Klasse B kommt beim SUV auf 25,7 Prozent, beim Pkw auf 44,0 Prozent.
Dasselbe Muster bei der Energieeffizienz: Klasse A ist mit 4,3 gegen 4,1 Prozent gleich häufig, Klasse E mit 23,5 gegen 16,0 Prozent deutlich häufiger. Und beim Rollgeräusch liegt der Median beider Regale fast gleich bei 72 beziehungsweise 71 Dezibel – aber 8,5 Prozent der SUV-Reifen erreichen 75 Dezibel oder mehr, gegenüber 3,0 Prozent beim Pkw.
Die praktische Konsequenz ist wichtiger als jede Durchschnittszahl: Im SUV-Regal entscheidet die Auswahl mehr als beim Pkw. Wer dort blind greift, hat eine dreieinhalbfach höhere Chance, bei der Nasshaftung in der schlechtesten Klasse zu landen. Wer dagegen zuerst nach dem Label filtert, bekommt Reifen auf Pkw-Niveau. Was die Buchstaben im Einzelnen bedeuten, erklärt unser EU-Reifenlabel-Ratgeber.
Sind SUV-Reifen teurer? Zwei Zahlen, zwei Antworten
Die Frage kommt bei jeder Beratung, und die ehrliche Antwort braucht zwei Zahlen. Rechnet man die Regale einfach gegeneinander, kostet der SUV-Reifen im Median 149,80 Euro, der Pkw-Reifen 101,38 Euro – ein Aufschlag von fast 48 Prozent. Das ist die Zahl, die man überall liest, und sie ist irreführend.
Denn die beiden Regale enthalten unterschiedliche Durchmesser. Im SUV-Regal sind 19 Zoll und größer die halbe Menge, im Pkw-Regal liegt der Schwerpunkt viel tiefer. Und der Durchmesser ist im Reifengeschäft der stärkste Preistreiber überhaupt: Im SUV-Regal kostet der Median bei 15 bis 18 Zoll je nach Gruppe zwischen 117,74 und 124,21 Euro, bei 19 bis 20 Zoll schon 175,78 Euro und bei 21 Zoll und mehr 261,08 Euro.
Vergleicht man deshalb gleiche Durchmesser, schrumpft der Unterschied dramatisch: Bei 17 und 18 Zoll kostet der SUV-Reifen im Median 120,62 Euro, der Pkw-Reifen 106,57 Euro – ein Aufschlag von nur noch 13,2 Prozent. Das ist die belastbare Antwort: Der SUV-Reifen selbst ist rund ein Achtel teurer; der Rest des Aufschlags ist nicht der Reifen, sondern das große Rad. Wer beim Neuwagen zwischen 18 und 21 Zoll wählen kann, entscheidet damit über mehr Geld als mit der Markenwahl. Wie weit die Zoll-Preisleiter trägt, haben wir separat unter Flache Flanke, hoher Preis nachgerechnet.
Dazu kommt der Saisonunterschied: SUV-Sommerreifen liegen im Median bei 143,40 Euro, SUV-Winterreifen bei 169,25 Euro – also rund 18 Prozent darüber. Beim Winterkauf lohnt der Blick auf die kleinere der freigegebenen Felgengrößen daher doppelt.
Sommer, Winter, Ganzjahres – und die Lücke im Offroad-Regal
Auch beim SUV gilt die Saisonfrage. Sommerreifen bieten bei warmen Temperaturen die kürzesten Bremswege und den niedrigsten Verbrauch. Winterreifen mit Alpine-Symbol sind bei Schnee, Eis und Kälte die Pflichtausrüstung; gerade schwere SUVs profitieren von der besseren Traktion am Berg. Eine Auswahl finden Sie in unseren Kategorien Offroad-Sommerreifen und Offroad-Winterreifen.
Und dann ist da die Lücke, die wir oben angekündigt haben: In der Rubrik Offroad-Reifen steht kein einziger Ganzjahresreifen. Alle 7.947 Ausführungen sind entweder Sommer- oder Winterreifen. Das heißt aber keineswegs, dass es keine Allwetterreifen für SUVs gäbe – im Gegenteil. Sie sind nur anders eingeordnet: Im Pkw-Regal stehen 8.240 lieferbare Ganzjahresreifen, und 754 davon aus 28 Modellreihen tragen SUV, 4x4, Scorpion oder CrossClimate im Namen, sind also ausdrücklich für hohe Fahrzeuge gebaut.
Wer also im Shop nach der Fahrzeugklasse Offroad filtert, bekommt die komplette Ganzjahres-Auswahl nie zu sehen. Der sichere Weg ist deshalb immer die Suche über die Größe plus Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex, nicht über die Fahrzeugkategorie. Genau dieselbe Falle haben wir für den Winter ausführlich beschrieben; dort fehlt beim Filtern nach Fahrzeugklasse rund die Hälfte der passenden Reifen. Ob Allwetter am schweren Fahrzeug überhaupt die richtige Wahl ist, klärt der Beitrag Ganzjahresreifen fürs SUV; die grundsätzliche Frage, ob Ihr Geländewagen wirklich spezielle Reifen braucht, behandeln wir unter SUV oder Pkw.
Verbrauch und Anhängelast: zwei Punkte, die SUV-Fahrer oft unterschätzen. Wegen des hohen Gewichts und der breiten Aufstandsfläche schlägt der Rollwiderstand beim SUV stärker zu Buche als beim Kleinwagen – und wie oben gezeigt, ist im SUV-Regal fast jeder vierte Reifen in der schlechtesten Effizienzklasse. Hier lohnt das Hinsehen also besonders. Beim Ziehen von Wohnwagen, Pferde- oder Bootsanhängern steigt zudem die Achslast deutlich: Dann muss der Tragfähigkeitsindex wirklich passen, und der Reifendruck ist an die Beladung anzupassen. Den korrekten Wert für volle Beladung finden Sie in der Tankklappe oder der Türsäule Ihres Fahrzeugs.
Vier geprüfte Empfehlungen für die Straße
Für SUV-Fahrer, die überwiegend auf der Straße unterwegs sind, sind moderne Straßen-SUV-Reifen die sicherste und sparsamste Wahl. Die folgenden vier Beispiele haben wir am 2. Oktober 2026 einzeln auf Preis und Label geprüft; jedes steht für einen der Befunde aus diesem Beitrag. Alle vier tragen Nasshaftung A und Effizienz A – das Doppel-A, das im SUV-Regal zu haben ist, wenn man gezielt danach filtert.
- Der günstigste Doppel-A-Reifen: Kumho Ecsta PS71 SUV 215/65 R17 99V für 73,26 Euro, Label A/A/70 dB, Tragfähigkeit 775 Kilogramm. Er zeigt, dass Bestwerte bei Nässe und Verbrauch im SUV-Regal keine Preisfrage sind.
- Für das schwere Fahrzeug: Hankook iON evo SUV 235/65 R18 110V für 95,34 Euro, A/A/69 dB – und mit Index 110 für 1.060 Kilogramm je Reifen freigegeben. Hohe Tragfähigkeit und Doppel-A schließen sich also nicht aus; der Reifen ist ursprünglich für Elektro-SUVs ausgelegt.
- Der leiseste: Hankook Ventus evo SUV K137A 235/55 R18 100V für 104,86 Euro mit 68 dB – vier Dezibel unter dem Median des SUV-Regals, was bei Langstrecke deutlich hörbar ist.
- Der Komfort-Allrounder: Goodyear EfficientGrip 2 SUV 215/65 R16 98H für 100,08 Euro, A/A/69 dB, für Kompakt- und Familien-SUV. Mehr zum Profil im Modellporträt.
Ein Hinweis zur Sorgfalt, den wir uns selbst zuschreiben müssen: In der vorigen Fassung dieses Beitrags stand der Bridgestone Alenza 001 in 215/60 R17 als Empfehlung „für schwerere Premium-SUV“. Beim Nachmessen zeigte sich, dass diese Ausführung mit Index 96 nur 710 Kilogramm trägt – genau den Median des Pkw-Regals – und bei uns auch als Pkw-Reifen geführt wird. Als Reifen ist er tadellos und mit 67 dB sogar besonders leise, als Beispiel für ein schweres Fahrzeug war er die falsche Wahl. Genau deshalb messen wir diese Beiträge nach. Achten Sie immer darauf, dass Größe, Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex zu Ihrem Fahrzeugschein passen.
Fazit
Der beste SUV-Reifen ist der, der zu Ihrem echten Fahrprofil passt – und zu Ihrem Fahrzeugschein. Drei Dinge nehmen Sie aus den Zahlen mit. Erstens: Die Tragfähigkeit ist der eigentliche Unterschied zum Pkw-Reifen, nicht das Profil; 46,1 Prozent der SUV-Reifen tragen eine Tonne oder mehr, im Pkw-Regal nur 6,0 Prozent. Prüfen Sie den Lastindex, nicht die unzuverlässige XL-Angabe. Zweitens: Das SUV-Regal ist an der Spitze so gut wie das Pkw-Regal, am unteren Ende aber dreieinhalbmal häufiger in der schlechtesten Nasshaftungsklasse – gezielt auswählen zahlt sich hier mehr aus als anderswo. Drittens: Vom scheinbaren Preisaufschlag von 48 Prozent bleiben bei gleichem Durchmesser nur 13 Prozent übrig; den Rest zahlt man für das große Rad, nicht für den SUV-Reifen.
Für die allermeisten SUV- und Geländewagen-Fahrer ist ein guter Straßenreifen die sicherste, leiseste und sparsamste Wahl. Grobstollige All-Terrain- oder Mud-Terrain-Reifen lohnen sich nur bei regelmäßigem Geländeeinsatz – und kosten dafür nachweisbar Sicherheit auf der Straße. Passende SUV- und Offroad-Reifen finden Sie in unserem Shop.
Häufige Fragen
Verbrauchen SUV-Reifen mehr Sprit?
Tendenziell ja: Das hohe Gewicht und die breite Aufstandsfläche erhöhen den Rollwiderstand. Dazu kommt die Auswahl im Regal – 23,5 Prozent der SUV-Reifen stehen in der schlechtesten Effizienzklasse E, im Pkw-Regal sind es 16,0 Prozent. Die gute Nachricht: Klasse A ist in beiden Regalen gleich häufig (4,3 gegen 4,1 Prozent). Wer auf das Label achtet, begrenzt den Mehrverbrauch wirksam – bei Elektro-SUVs steigt entsprechend die Reichweite.
Brauche ich für meinen SUV spezielle SUV-Reifen?
Entscheidend ist nicht die Produktbezeichnung, sondern dass Größe, Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex für Ihr Fahrzeug freigegeben sind. Weil SUVs deutlich mehr Last brauchen – im Median 975 statt 710 Kilogramm je Reifen – erfüllen das viele reine Pkw-Reifen nicht. Genau deshalb gibt es eigene SUV- und 4x4-Linien. Maßgeblich sind immer die Werte in der Zulassungsbescheinigung.
Sind All-Terrain-Reifen die bessere Wahl für jeden SUV?
Nein. Sie sind nur sinnvoll, wenn Sie regelmäßig im Gelände oder auf unbefestigten Wegen fahren. Im ADAC-Test 2025 war kein einziger AT-Reifen empfehlenswert, und ein mitlaufender normaler Pkw-Ganzjahresreifen war mit der Note 2,1 fast eine ganze Note besser als der beste AT-Reifen. Selbst auf Schotter und bewässerter Wiese war der Vorteil der Geländereifen gering. Wer überwiegend auf Asphalt unterwegs ist, fährt mit einem Straßenreifen sicherer.
Was bedeutet der Tragfähigkeitsindex – und muss es XL sein?
Der Tragfähigkeitsindex gibt die maximale Last je Reifen an: Index 100 entspricht 800 Kilogramm, Index 110 bereits 1.060 Kilogramm. Er muss mindestens den Wert aus den Fahrzeugpapieren erreichen; höher ist erlaubt, niedriger nie. Auf die Kennung XL oder Reinforced sollten Sie sich dabei nicht verlassen – sie ist in Produktdaten nur selten hinterlegt, während der Index praktisch immer angegeben ist.
Gibt es Ganzjahresreifen für SUVs?
Ja, allerdings nicht in der Fahrzeugkategorie Offroad – dort stehen ausschließlich Sommer- und Winterreifen. Die SUV-taugliche Allwetterauswahl ist im Pkw-Regal eingeordnet: 754 lieferbare Ausführungen aus 28 Modellreihen tragen SUV, 4x4, Scorpion oder CrossClimate im Namen. Suchen Sie deshalb über die Reifengröße statt über die Fahrzeugklasse.
Welche Profiltiefe sollte mein SUV-Reifen haben?
Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 1,6 Millimeter nach § 36 StVZO. Aus Sicherheitsgründen empfiehlt der ADAC den Wechsel bereits ab 3 Millimetern bei Sommerreifen und ab 4 Millimetern bei Winterreifen – gerade schwere SUVs brauchen ausreichend Profil für kurze Bremswege bei Nässe.