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Reifenlabel & EU-Kennzeichnung – Ratgeber im Magazin

Reifen ohne EU-Label: Welche acht Ausnahmen die Verordnung macht

· 15 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 03.10.2026
Grob gestollter Geländereifen auf schlammigem Feldweg (KI-generiert, OpenAI)
Grob gestollter Geländereifen auf schlammigem Feldweg (KI-generiert, OpenAI)

Wer im Shop von einem Pkw-Reifen zum nächsten klickt, sieht überall dieselben drei Angaben: einen Buchstaben für die Kraftstoffeffizienz, einen für die Nasshaftung, dazu einen Dezibelwert. Beim Geländereifen für den Feldweg, beim Reifen für den Pferdeanhänger oder beim Hinterreifen fürs Motorrad steht an derselben Stelle plötzlich nichts. Das ist kein Versehen und kein Datenfehler, sondern in den allermeisten Fällen schlicht das Gesetz: Die europäische Kennzeichnungspflicht kennt einen eng gezogenen Anwendungsbereich und acht ausdrückliche Ausnahmen davon.

Wir haben beides zusammengebracht — den Wortlaut der Verordnung und das eigene Regal. Grundlage ist der offene Produktkatalog von reifentiefpreis.live mit Stand vom 2. Oktober 2026. Nach Abzug von Felgen, Radschrauben, Felgenbändern und Schläuchen bleiben darin 52.894 Reifenzeilen. 48.079 davon tragen Labelwerte, 4.815 nicht — und 4.575 dieser etikettlosen Reifen sind sofort lieferbar. Dieser Beitrag erklärt, welche Regel hinter jeder einzelnen dieser Lücken steckt.

Das Etikett gilt nur für drei Reifenklassen

Das EU-Reifenlabel beruht auf der Verordnung (EU) 2020/740. Gleich ihr Artikel 2 Absatz 1 zieht die erste und wichtigste Grenze: Die Verordnung gilt für „in Verkehr gebrachte Reifen der Klassen C1, C2 und C3". Mehr nicht.

Diese drei Klassen stammen aus dem Fahrzeugrecht und meinen der Reihe nach Pkw-Reifen, Reifen für leichte Nutzfahrzeuge und Reifen für schwere Nutzfahrzeuge. Sie sind an Fahrzeugkategorien geknüpft, nicht an einen Reifentyp: Was unter einem Pkw, einem Transporter, einem Lkw, einem Bus oder einem Anhänger dieser Kategorien läuft, ist erfasst. Alles andere fällt damit nicht etwa unter eine Ausnahme — es steht von vornherein außerhalb des Gesetzes. Genau das erklärt im Regal den mit Abstand größten Teil der Lücke.

Der Unterschied ist mehr als juristische Feinheit. Bei einem Reifen im Anwendungsbereich dürfen Sie sich darauf verlassen, dass die drei Werte nach einem europaweit einheitlichen Prüfverfahren entstanden sind, dass sie in einer öffentlichen Datenbank hinterlegt sein müssen und dass Händler sie beim Verkauf zeigen müssen. Bei einem Reifen außerhalb des Anwendungsbereichs existiert diese Vergleichsgrundlage gar nicht — dort ist jede Angabe eines Herstellers eine freiwillige Eigenangabe, die nach anderen Methoden entstanden sein kann. Das ist beim Kauf ein handfester Unterschied, weil Sie zwei Werte aus verschiedenen Quellen dann nicht gegeneinanderstellen dürfen.

Innerhalb der drei Klassen ist die Abdeckung dagegen lückenlos, und das lässt sich an unseren Zahlen gut zeigen: Alle 17.876 Pkw-Sommerreifen, alle 8.879 Pkw-Winterreifen, alle 8.240 Pkw-Ganzjahresreifen und alle 509 Pkw-Sportreifen im Katalog führen Labelwerte. Dasselbe gilt für sämtliche 4.605 Transporterreifen und für alle 41 Lkw-Reifen. Bei den Offroad-Reifen fehlen die Werte in genau 55 von 5.623 Sommer-Ausführungen; die 2.341 Offroad-Winterreifen sind vollständig. Werte zu führen heißt dabei noch nicht, dass sie gemessen wurden — dieser Unterschied bekommt weiter unten einen eigenen Abschnitt. Wenn Sie also bei einem gewöhnlichen Pkw-Reifen kein Etikett finden, liegt das nicht am Gesetz — dann lohnt die Nachfrage beim Händler. Was die einzelnen Klassen auf dem Etikett bedeuten und wie sie voneinander abgegrenzt sind, haben wir dort aufgeschrieben, wo wir erklären, was Nasshaftung, Effizienz und Geräusch im Einzelnen bedeuten.

Die acht Ausnahmen im Wortlaut

Artikel 2 Absatz 2 der Verordnung zählt anschließend auf, wofür die Kennzeichnungspflicht trotz passender Reifenklasse nicht gilt. Es sind acht Fälle, und sie lohnen den genauen Blick, weil einige davon im Alltag überraschend oft auftauchen:

  • Reifen für den harten Geländeeinsatz. Die Verordnung definiert sie in Artikel 3 als „Spezialreifen, der vor allem unter schweren Geländebedingungen zum Einsatz kommt".
  • Reifen ausschließlich für Fahrzeuge mit Erstzulassung vor dem 1. Oktober 1990 — die Oldtimer-Klausel.
  • T-Notradreifen, also die schmalen Notlaufräder, die für einen höheren Druck als Standardreifen ausgelegt sind.
  • Reifen mit einer zulässigen Geschwindigkeit von weniger als 80 km/h.
  • Reifen für Felgen mit einem Nenndurchmesser von höchstens 254 mm oder mindestens 635 mm — umgerechnet: alles bis einschließlich 10 Zoll und alles ab 25 Zoll.
  • Reifen mit Zusatzvorrichtungen zur Verbesserung der Traktion, in der Verordnung ausdrücklich am Beispiel des Spikereifens.
  • Reifen ausschließlich für Fahrzeuge, die nur für Rennen bestimmt sind.
  • Gebrauchte Reifen, sofern sie nicht aus einem Drittland importiert werden.

Dazu kommt ein Sonderfall, der keine Ausnahme im engeren Sinn ist: Für runderneuerte Reifen gelten die Anforderungen laut Artikel 2 Absatz 1 erst, sobald eine geeignete Prüfmethode für ihre Leistung festgelegt ist. Bis dahin tragen sie kein Etikett, obwohl sie grundsätzlich zum Anwendungsbereich zählen. Wichtig für die Einordnung ist außerdem: Eine Ausnahme ist eine Befreiung von der Pflicht, kein Verbot. Ein Hersteller darf Werte freiwillig angeben — er muss nur nicht.

Fünf dieser acht Fälle können Sie am Reifen selbst ablesen, ohne ein Datenblatt zu öffnen. Die Felgengröße steht in der Größenbezeichnung; alles mit einer 10 oder kleiner am Ende ist von der Millimeter-Regel erfasst. Der Geschwindigkeitsindex steht direkt hinter der Tragfähigkeitszahl; J steht für 100 km/h, F für 80 km/h, E für 70 km/h — die Ausnahme greift also erst ab E abwärts, weil die Verordnung „weniger als 80 km/h" verlangt. Die Kennung für den harten Geländeeinsatz steht als POR oder P.O.R. auf der Flanke. Spikes und Spike-Vorbereitungen sind sichtbar. Und ob ein Reifen als Notrad des Typs T ausgelegt ist, sagt die Größenbezeichnung, die dann mit einem T beginnt. Nur die Oldtimer-Klausel, die Rennreifen-Klausel und der Gebrauchtreifen-Fall lassen sich nicht an der Flanke, sondern nur über den Verwendungszweck klären.

Der größte Block steht gar nicht im Gesetz: Zweiräder und Quads

Von den 4.815 etikettlosen Reifen im Katalog entfallen allein 4.153 auf Zweiräder: 2.155 Motorrad-Straßenreifen, 1.033 Enduro- und Crossreifen sowie 965 Reifen für Mofa, Moped und Roller. Dazu kommen 350 Quad- und ATV-Reifen. Zusammen sind das 4.503 der 4.815 Fälle, also gut 93 Prozent aller Lücken.

Der Grund ist kein Streitfall und keine Grauzone: Motorräder, Roller und Quads sind Fahrzeuge einer eigenen Klasse, ihre Reifen sind weder C1 noch C2 noch C3. Die Kennzeichnungsverordnung erwähnt sie deshalb mit keinem Wort. Das hat beim Kauf eine unmittelbare Folge: Es gibt bei Motorradreifen für die Straße keine europaweit einheitlich gemessene Nasshaftungsklasse, die zwei Modelle vergleichbar machen würde — und es wird sie auf dieser Rechtsgrundlage auch nicht geben. Sie sind auf Tests der Fachpresse, auf die Freigabelisten der Hersteller und auf die Angaben zur Gummimischung angewiesen. Wie sich ein Zweiradreifen ohne Etikett trotzdem einschätzen lässt, steht in unserem ausführlichen Ratgeber zu Motorradreifen ohne EU-Etikett.

Der zweite spürbare Effekt betrifft die Felgengröße. Unter den etikettlosen Reifen sitzen 394 Ausführungen auf Felgen von 10 Zoll und kleiner — Rollerräder, kleine Anhängerräder, Karren- und Gerätereifen. Viele von ihnen wären schon über die 254-Millimeter-Regel befreit, selbst wenn ihre Fahrzeugklasse mitgemeint wäre. Zwei Ausnahmegründe greifen hier also gleichzeitig.

„Harter Geländeeinsatz": die POR-Kennung und was sie mit dem Etikett macht

Die interessanteste Ausnahme ist die erste, weil sie mitten durch das Pkw- und SUV-Sortiment verläuft. Im Katalog tragen 85 Ausführungen das Kürzel POR beziehungsweise P.O.R. im Namen oder in den Kennzeichnungen — die Flankenmarkierung für den professionellen Geländeeinsatz. Alle 85 stehen in der Rubrik Offroad-Sommerreifen, und es sind ausnahmslos grobstollige Mud-Terrain- oder Rugged-Terrain-Profile. Verteilt sind sie auf acht Marken: Cooper mit 23 Ausführungen, Radar mit 19, Yokohama mit 17, Aplus mit 13, Toyo mit sechs, Kenda mit fünf sowie Nankang und Hifly mit je einer.

Das Ergebnis der Auszählung ist fast eindeutig: 84 dieser 85 Reifen tragen kein belegtes EU-Etikett. 47 von ihnen haben überhaupt keine Labelwerte hinterlegt. Die übrigen 38 zeigen ausgerechnet die Kombination E / E / 79 dB — und bei 37 davon fehlt die zugehörige Nummer aus der europäischen Produktdatenbank oder sie ist ein offensichtlicher Füllwert. Die einzige Ausnahme ist der Aplus A929 M/T P.O.R. 235/85 R16 120Q, der zu denselben Randwerten die Registrierung 455202 nennt. Was dahintersteckt, bleibt allerdings auch dort verschlossen — dazu gleich mehr, denn diese Zahlenkombination ist eine Falle.

Auffällig ist außerdem die Geschwindigkeitsklasse. Von den 55 Offroad-Sommerreifen ganz ohne Labelwerte tragen 52 den Index Q, also 160 km/h, zwei den Index K mit 110 km/h und einer den Index N mit 140 km/h. Hier verteilen sich die Marken anders als bei der POR-Kennung: Radar stellt 19 Ausführungen, Yokohama 16, Cooper sieben, Hankook und Kenda je fünf, Falken zwei und Tracmax eine. Ein typischer Vertreter ist der Yokohama Geolandar MT G003 225/65 R17 107Q — ein Reifen, bei dem die fehlenden Buchstaben ausdrücklich keine Aussage über die Qualität treffen, sondern nur über die Rechtslage.

Für die Kaufentscheidung heißt das etwas anderes, als viele erwarten. Der fehlende Buchstabe ist hier nicht die Folge eines schlechten Ergebnisses, das jemand verschweigen will — die genormte Messung findet für diese Reifen schlicht nicht statt, weil sie für eine Fahrbahn ausgelegt sind, auf der das Prüfverfahren keinen Sinn ergibt. Umgekehrt dürfen Sie aus der Ausnahme aber auch nicht schließen, ein POR-Reifen sei auf nasser Straße beliebig gut: Grobe Stollenblöcke haben auf Asphalt naturgemäß weniger Gummi im Kontakt und bauen den Grip später auf. Wer 90 Prozent seiner Kilometer auf der Straße fährt und nur gelegentlich einen Feldweg nimmt, fährt mit einem All-Terrain-Profil samt vollständigem Etikett fast immer besser — nicht wegen der Buchstaben, sondern wegen der Auslegung, die dahintersteht.

Besonders schön zeigt das eine einzige Marke. Radar führt die Renegade-Familie in mehreren Ausbaustufen. Die straßenbetonten All-Terrain-Linien Renegade A/T (AT-5) und Renegade A/T Sport tragen in 55 Ausführungen vollständige, plausibel gestreute Labelwerte — etwa der Radar Renegade A/T (AT-5) 205 R16 110S mit C / C / 72 dB. Die grobstolligen Geschwister Renegade M/T (R7) und Renegade R/T+ stehen dagegen in 19 Ausführungen ganz ohne Labelwert im Regal. Gleiche Marke, gleiche Modellfamilie, teils gleiche Zollgrößen — die Grenze verläuft exakt entlang des Profils. Je grober die Stollen, desto wahrscheinlicher greift die Ausnahme.

E / E / 79 dB heißt selten „schlecht" und meistens „keine Angabe"

Diese Zahlenkombination verdient einen eigenen Abschnitt, weil sie Kaufentscheidungen verzerren kann. E ist die schwächste vergebene Klasse bei der Kraftstoffeffizienz, E eine der schwächsten bei der Nasshaftung, 79 dB ein hoher Geräuschwert. Wer das sieht, hält den Reifen für schlecht. In vielen Fällen ist es aber überhaupt kein Messergebnis, sondern ein Füllwert, der eine Datenlücke schließt.

Im Katalog kommt die Kombination 1.069-mal vor. Nur 104 dieser 1.069 Einträge nennen dazu überhaupt eine Zahl, die als EPREL-Registrierung plausibel ist — sechs- bis achtstellig. Bei 771 Einträgen fehlt die Nummer vollständig, 193 tragen die glatte Platzhalterzahl 1000000, und einer zeigt eine einstellige Zahl, die gar keine Registrierung sein kann. Von den 38 POR-Reifen mit E / E / 79 dB betrifft das 37.

Und selbst eine vorhandene Nummer ist erst der Anfang der Prüfung. Der Aplus-Geländereifen von weiter oben zeigt, wo sie endet: Seine Registrierung 455202 ist in der EU-Produktdatenbank EPREL tatsächlich angelegt, die öffentliche Abfrage gibt dazu aber keine Messwerte heraus, sondern den Hinweis, dass der Anbieter die vorgeschriebene Identitätsprüfung noch nicht abgeschlossen hat. Die Kommission stellt an derselben Stelle klar, dass sie die von den Anbietern eingetragenen Produktdaten ohnehin nicht auf Richtigkeit prüft — zuständig dafür sind die nationalen Marktüberwachungsbehörden. Eine EPREL-Nummer belegt also, dass jemand einen Eintrag angelegt hat, nicht, dass die drei Angaben auf dem Etikett nachgemessen wurden.

Praxisregel: Sehen Sie bei einem Reifen E / E / 79 dB, prüfen Sie, ob eine EPREL-Nummer oder ein QR-Code dabeisteht. Fehlt beides, behandeln Sie die drei Werte als „keine Angabe" und nicht als schlechtes Ergebnis.

Das ist kein Freibrief in die andere Richtung. Es gibt echte Reifen mit echtem E bei der Nasshaftung, und dahinter steckt eine bewusste Auslegungsentscheidung des Herstellers — wir haben an anderer Stelle aufgeschrieben, warum die Nasshaftungsklassen D und E in Vergleichstests praktisch nie auftauchen. Der Unterschied liegt in der Belegbarkeit: Ein gemessener Wert steht in der Produktdatenbank, ein Füllwert nicht.

Beim Anhängerreifen verläuft die Grenze mitten durch die Rubrik

Kaum eine Rubrik zeigt die Systematik der Verordnung so gut wie unsere Anhänger- und Oldtimerreifen. 76 Ausführungen stehen dort, und sie zerfallen sauber in zwei Gruppen: 20 tragen vollständige Labelwerte, 56 tragen keine.

Die 20 mit Etikett sind durchweg moderne Radialreifen in vertrauten Größen — 155/70 R12C, 155/80 R13, 185/65 R14, 195/65 R15 und ähnliche. Sie sitzen auf Felgen von 12 bis 15 Zoll und fallen damit mitten in den Anwendungsbereich. Ein Beispiel ist der CST Trailermaxx Eco, CL31N 155/80 R13 84N, der mit E / B / 71 dB ein ganz gewöhnliches Etikett mitbringt.

Die 56 ohne Etikett sehen schon an der Größenangabe anders aus: 4.80/4.00-8, 5.00-10, 6.70-13, 5.90-15. Das sind zum großen Teil Diagonalreifen in Zollschreibweise, viele davon auf Felgen von 8, 9 oder 10 Zoll — womit die 254-Millimeter-Grenze greift. Ein weiterer Teil sind klassische Bereifungen für Fahrzeuge, die längst vor Oktober 1990 zugelassen wurden, also Fälle der Oldtimer-Klausel. Dass von diesen 56 Positionen aktuell nur 12 lieferbar sind, passt ins Bild: Es ist ein Restmarkt für alte Technik, der Stück für Stück ausläuft.

Bemerkenswert daran ist, dass zwei Reifen im selben Regalfach, für denselben Zweck und oft für denselben Anhänger, rechtlich völlig verschieden behandelt werden. Nicht der Einsatzzweck entscheidet über die Kennzeichnungspflicht, sondern Bauart und Felgendurchmesser. Wer einen alten Anhänger von Diagonal- auf Radialreifen umrüstet und dabei bei der Felgengröße bleibt, wechselt damit nebenbei auch die Rechtslage seines Reifens.

Drei Ausnahmen, die im eigenen Regal nichts erklären

Nicht jede der acht Ausnahmen taucht in einem Reifenshop wirklich auf. Drei davon haben wir geprüft und im Bestand schlicht nicht gefunden — was für die Einordnung genauso nützlich ist wie ein Treffer.

Runderneuerte Reifen: null Treffer. Im gesamten Katalog steht kein einziger runderneuerter Reifen. Die Sonderregel für sie ist im Pkw- und Transportergeschäft also ohne Bedeutung; sie zielt auf den Lkw-Markt, wo Runderneuerung seit jeher üblich ist.

Reine Rennreifen: formal keine. Alle 509 Einträge der Rubrik Pkw-Sportreifen führen Labelwerte, 43 davon allerdings die Randkombination E / E / 79 dB. Die Rennreifen-Ausnahme der Verordnung nutzt damit in unserem Regal kein einziger Reifen. Daraus folgt aber nicht, dass jeder Sportreifen auf die Straße darf — und dieser Unterschied ist für die Kaufentscheidung wichtiger als die Ausnahmeliste selbst. Genau ein Eintrag trägt die Flankenkennung NHS für „Not for Highway Service": der Nankang AR-1 TRACK ONLY 80V 185/60 R13 NHS für 144,32 Euro. Er hat Labelwerte, aber keine Straßenzulassung.

Wie wenig die drei Angaben über die Zulassung sagen, zeigt das Schwestermodell in derselben Größe. Der Nankang AR-1 Sportnex 185/60 R13 80V für 128,47 Euro ist straßenzugelassen und trägt mit E / E / 79 dB exakt dieselben Werte wie die Rennversion — beide eben jene Randkombination, die meistens „keine Angabe" bedeutet. Etikett und Zulassung sind zwei voneinander unabhängige Fragen: Das Label sagt, ob gemessen wurde, die Flanke sagt, wo gefahren werden darf. Welche Reifen die NHS-Kennung sonst noch tragen und wie sie sich über die Rubriken verteilt, steht in unserem ausführlichen Ratgeber zu Reifen ohne Straßenzulassung.

T-Notradreifen und gebrauchte Reifen: Notlaufräder wie der Continental sContact oder der Uniroyal UST 17 stehen im Katalog — 37 Ausführungen, und alle führen Labelwerte. Die Ausnahme greift eben nur für den speziellen Typ T, nicht für jedes Notrad. Nützlich sind diese Werte deshalb noch lange nicht: 34 der 37 zeigen wieder E / E / 79 dB, und keiner einzigen dieser 37 Positionen liegt eine brauchbare EPREL-Nummer bei. Gebrauchtreifen verkaufen wir grundsätzlich nicht, damit entfällt die achte Ausnahme vollständig. Auch der Fall „zulässige Geschwindigkeit unter 80 km/h" bleibt mit 23 Ausführungen eine Randerscheinung und betrifft ausschließlich Geräte- und Spezialbereifung.

Was Ihnen ohne Etikett zur Orientierung bleibt

Fehlt das Etikett zu Recht, brauchen Sie andere Anhaltspunkte — und die gibt es. Der Geschwindigkeits- und der Lastindex stehen auf jeder Flanke und sind verbindlich; gerade bei Geländereifen mit Index Q sagt der Wert 160 km/h mehr über die Auslegung des Reifens aus als jede Effizienzklasse es könnte. Das Alpine-Symbol mit der Schneeflocke im Dreiberg ist unabhängig vom EU-Label genormt und entscheidet in Deutschland darüber, ob ein Reifen als wintertauglich gilt. Tests der Fachpresse und der Prüforganisationen decken zwar nur einen Bruchteil aller Größen ab, liefern für die gängigen Modelle aber belastbare Messwerte. Und bei allem, was doch ein Etikett hat, ist die EPREL-Nummer der beste Echtheitsnachweis.

Für den Alltag lässt sich das zu einer kurzen Reihenfolge zusammenziehen. Prüfen Sie erstens, ob Ihr Reifen überhaupt in den Anwendungsbereich fällt — Pkw, Transporter, Lkw und deren Anhänger ja, Motorrad, Roller und Quad nein. Fällt er hinein und fehlen die Werte trotzdem, suchen Sie zweitens nach einem der acht Ausnahmegründe, also nach POR-Kennung, kleiner Felge, niedrigem Geschwindigkeitsindex oder einem Reifen für ein Fahrzeug aus der Zeit vor Oktober 1990. Finden Sie drittens keinen dieser Gründe, ist die Lücke tatsächlich ein Datenmangel und nicht die Rechtslage — dann fragen Sie nach. Und stehen viertens Werte da, kontrollieren Sie, ob eine EPREL-Nummer dazugehört, bevor Sie zwei Reifen anhand der Buchstaben gegeneinander abwägen.

Praktisch heißt das: Bei Offroad-Sommerreifen entscheiden Sie zuerst, wie viel Gelände Sie wirklich fahren. Ein All-Terrain-Profil bringt Ihnen ein vollständiges Etikett und damit vergleichbare Nasswerte; ein Mud-Terrain-Profil mit POR-Kennung bringt Ihnen Traktion im Schlamm, nimmt Ihnen dafür aber jede genormte Vergleichsgröße für die Straße. Diese Entscheidung treffen Sie damit bewusst — und nicht, weil ein Datenblatt unvollständig aussieht.

Das Fazit in einem Satz: Ein fehlendes EU-Label ist in 4.815 von 52.894 Fällen im Regal kein Qualitätsmangel, sondern der Normalfall für Zweiräder, Quads, Geländespezialisten, kleine Felgen und alte Fahrzeuge — kritisch wird es nur dort, wo ein gewöhnlicher Pkw-Reifen ohne Werte auftaucht oder wo Füllwerte ein Messergebnis vortäuschen. Die Begriffe rund um Flanke, Index und Etikett erklärt unser Reifen-Wiki; den passenden Reifen für Ihren Einsatzzweck finden Sie anschließend im Shop.

Häufige Fragen

Darf ich einen Reifen ohne EU-Etikett in Deutschland fahren?

Ja. Die Kennzeichnungspflicht ist eine Informationspflicht für den Verkauf, keine Zulassungsvoraussetzung. Ob ein Reifen gefahren werden darf, entscheiden die Betriebserlaubnis, die Freigabe für Ihr Fahrzeug und die Vorschriften zu Profiltiefe, Last- und Geschwindigkeitsindex — nicht das Etikett.

Wieso hat mein neuer Rollerreifen keine Nasshaftungsklasse?

Weil Reifen für Mofa, Moped, Roller und Motorrad in keine der drei Klassen C1, C2 und C3 fallen. Sie stehen damit außerhalb des Anwendungsbereichs der Verordnung. Eine genormte Nasshaftungsklasse existiert für sie schlicht nicht.

Woran erkenne ich, ob ein angezeigter Labelwert echt gemessen ist?

An der EPREL-Nummer beziehungsweise dem QR-Code, über den sich der Eintrag in der europäischen Produktdatenbank aufrufen lässt. Fehlt dieser Nachweis und stehen gleichzeitig durchgehend Randwerte wie E / E / 79 dB, handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen Platzhalter statt um ein Messergebnis.

Schlagwörter: EU-Reifenlabel Reifenkennzeichnung Geländereifen Anhängerreifen Motorradreifen

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