245/40 R18: Der teuerste Winterreifen ist zugleich der langsamste
Wer 245/40 R18 fährt, kennt das Gefühl, in einer gut versorgten Größe unterwegs zu sein: breit, flach, sportlich, von fast jeder Marke lieferbar. Das stimmt auch — solange Sommer ist. Sobald es um Winterreifen geht, verändert sich das Angebot in dieser Dimension auf eine Weise, die man auf den ersten Blick nicht sieht, weil die Trefferzahl im Shop weiterhin dreistellig bleibt. Wir haben deshalb den kompletten Bestand dieser Größe ausgezählt, Stand 24. September 2026, Grundlage ist unser offener Produktkatalog. Das Ergebnis: 349 lieferbare Ausführungen — und ausgerechnet der teuerste Winterreifen der Größe ist zugleich der langsamste.
Was in dieser Größe wirklich im Regal steht
245/40 R18 ist eine typische Achtzehnzoll-Stufe an sportlich ausgelegten Limousinen, Coupés und Kombis der oberen Mittelklasse. Entsprechend breit ist das Angebot: 349 lieferbare Ausführungen, verteilt auf 289 Reifenmodelle und 73 Marken. Zum Vergleich mit dem Gefühl beim Suchen: Das sind im Schnitt nicht einmal fünf Ausführungen je Marke, die Größe wird also von sehr vielen Herstellern mit sehr wenigen Modellen bedient — vom Premiumprofil bis zur Zweitmarke ist praktisch alles vertreten.
Die Verteilung über die Jahreszeiten ist allerdings deutlich schiefer, als die Gesamtzahl vermuten lässt. 176 der 349 Ausführungen sind Sommerreifen, 96 Winterreifen und 68 Ganzjahresreifen; dazu kommen neun Sportreifen ohne Saisonzuordnung, also Profile für den ambitionierten Einsatz auf trockener Strecke. Jeder zweite Reifen dieser Größe ist damit ein Sommerreifen, und nur gut jeder vierte ein Winterreifen. Die Marken ziehen sich im Winter ebenfalls zurück, wenn auch weniger stark als die Stückzahl: 57 der 73 Marken haben ein Winterprofil in dieser Dimension im Programm.
Für die Praxis heißt das zunächst nichts Schlimmes. 96 Winterreifen sind eine echte Auswahl, und alle 349 Positionen waren am Erhebungstag lieferbar, keine einzige nur bestellbar. Der interessante Teil steckt nicht in der Menge, sondern in den Kennzahlen, die an diesen 96 Reifen stehen. Alle Ausführungen dieser Dimension finden Sie gebündelt auf der Größenseite zu 245/40 R18.
Im Winter fehlt das obere Ende der Skala
Der Geschwindigkeitsindex ist in dieser Größe kein Randthema, sondern das erste, woran der Wechsel scheitert. Über alle 349 Ausführungen hinweg dominiert das schnelle Ende klar: 182 Reifen tragen ein Y (bis 300 km/h), 88 ein V (bis 240 km/h), 67 ein W (bis 270 km/h), der Rest verteilt sich auf neun H, zwei T und ein einzelnes Q. Im Sommerregal verschiebt sich das noch weiter nach oben — dort sind 138 der 176 Ausführungen Y-Reifen, 33 tragen ein W und fünf ein H.
Im Winterregal kippt dieses Bild vollständig. Von den 96 Winterreifen tragen 79 die Kennung V (240 km/h) und zehn ein W (270 km/h). Ein einziger Y-Reifen existiert nicht. Darunter liegen vier H-Ausführungen (210 km/h), zwei T (190 km/h) und ein Q (160 km/h). Anders gesagt: Das obere Ende der Skala, das im Sommer die Regel ist, gibt es im Winter in dieser Größe überhaupt nicht — und selbst die zweithöchste Stufe W steht nur zehnmal zur Wahl.
Das ist kein Mangel des Sortiments, sondern eine Eigenschaft der Bauart: Eine kälteflexible Winterlaufmischung mit dichter Lamellierung hält denselben Belastungen bei 300 km/h nicht stand wie ein Sommerprofil, und die Hersteller lassen ihre Wintermodelle deshalb gar nicht erst für diese Werte homologieren. Nur hat es eine unmittelbare Folge für Sie: Wenn in Ihren Fahrzeugpapieren eine durch die Bauart bestimmte Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h steht, finden Sie in 245/40 R18 keinen Winterreifen, der diesen Wert erreicht. Sie müssen also entweder mit W leben — oder den Weg gehen, den der Gesetzgeber ausdrücklich dafür vorgesehen hat. Was sonst noch über einen Winterreifen entscheidet, haben wir im Ratgeber zum Winterreifenkauf zusammengestellt.
Der teuerste Winterreifen der Größe ist auch der langsamste
Jetzt wird es interessant. Man würde erwarten, dass ein niedriger Geschwindigkeitsindex ein Sparsignal ist — weniger Tempo, weniger Aufwand, weniger Geld. In 245/40 R18 gilt exakt das Gegenteil, und zwar an der Spitze der Preisliste.
Die beiden teuersten Winterreifen der ganzen Größe sind zugleich die beiden langsamsten. Der teuerste ist der Michelin X-ICE SNOW 245/40 R18 97H mit 228,47 Euro je Stück und einem H für 210 km/h. Direkt dahinter folgt der Nokian Hakkapeliitta R5 245/40 R18 97T mit 217,10 Euro und einem T für 190 km/h. Erst auf Rang drei der Preisliste taucht mit 212,92 Euro wieder ein normaler V-Reifen auf.
Der Grund ist Geografie, nicht Geiz: Beides sind nordische Winterreifen, also Profile für skandinavische Verhältnisse mit sehr weicher Mischung und ausgeprägter Eisgriffigkeit. Sie sind nicht für Autobahnetappen bei plus fünf Grad gebaut, sondern für Schnee und Eis über Wochen — und genau dafür zahlen Sie den Aufpreis. Wie Michelin sein Winterprogramm zwischen sportlichem Alpin-Profil und Eisspezialist aufteilt, zeigt der Vergleich der Michelin-Winterreifen; warum das bekannteste Nokian-Profil in Deutschland eine Sonderrolle spielt, steht im Markenporträt zu Nokian.
Der eigentliche Stolperstein liegt aber am anderen Ende. Die Kennung 97H steht in dieser Größe siebenmal im Regal — beim Michelin für 228,47 Euro und beim günstigsten H-Reifen für 68,08 Euro. Zwischen zwei Reifen mit exakt derselben Angabe auf der Flanke liegen also gut 160 Euro je Stück, und sie sind für völlig verschiedene Dinge gemacht: oben der Eisspezialist, unten ein einfaches Budgetprofil, dessen Index schlicht dort endet, wo die Entwicklung aufgehört hat. Der Geschwindigkeitsindex allein sagt Ihnen also nicht, was Sie kaufen. Er sagt nur, wie schnell Sie damit fahren dürfen.
Was die StVZO verlangt, wenn der Reifen langsamer ist als das Auto
Die gute Nachricht: Ein Winterreifen, der langsamer ist als Ihr Fahrzeug, ist ausdrücklich zulässig. Geregelt ist das in § 36 Absatz 5 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung. Danach gilt die Anforderung an die Höchstgeschwindigkeit als erfüllt, wenn zwei Bedingungen zusammenkommen: Die für den Reifen zulässige Höchstgeschwindigkeit muss für die Dauer der Verwendung durch ein Schild, einen Aufkleber oder eine Anzeige im Blickfeld des Fahrzeugführers angegeben werden — und diese Geschwindigkeit darf im Betrieb nicht überschritten werden (Quelle: § 36 StVZO, gesetze-im-internet.de).
Zwei Punkte werden dabei regelmäßig übersehen. Erstens gilt die Erleichterung nur für Reifen im Sinne des Absatzes 4, also für Reifen mit dem Alpine-Symbol, dem Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Ein reines M+S-Zeichen genügt dafür nicht. Zweitens ist der Aufkleber keine Formalie, sondern die Bedingung selbst: Ohne ihn ist die Bereifung nicht vorschriftsmäßig, und mit ihm gilt die niedrigere Zahl als verbindliches Tempolimit für Sie — unabhängig davon, was auf dem Schild am Straßenrand steht.
In 245/40 R18 betrifft das konkret sieben der 96 Winterreifen, nämlich alle mit H, T oder Q. Bei den 79 V-Ausführungen hängt es an Ihrem Fahrzeug: Wer eine Bauartgeschwindigkeit von 240 km/h oder weniger eingetragen hat, braucht nichts weiter zu tun; darüber gilt dieselbe Regel. Die Feinheiten der Ausnahme samt Bußgeldfrage haben wir im Beitrag dazu aufgeschrieben, dass Winterreifen langsamer sein dürfen als das Auto.
Tragfähigkeit: im Winterregal gibt es nur eine Stufe
Beim zweiten Wert auf der Flanke, dem Lastindex, ist die Lage in dieser Größe ungewöhnlich eindeutig. Im Regal stehen zwei Stufen nebeneinander: 97 für 730 Kilogramm je Reifen und 93 für 650 Kilogramm. Die 97 dominiert mit 320 von 349 Ausführungen (91,7 Prozent), die 93 kommt nur 29-mal vor.
Entscheidend ist, wo diese 29 liegen: 28 davon sind Sommerreifen, einer ist ein Ganzjahresreifen — im Winterregal dieser Größe trägt ausnahmslos jede der 96 Ausführungen den Lastindex 97. Wer im Sommer auf einer 93er Ausführung unterwegs ist, wechselt im Winter also zwangsläufig auf die tragfähigere Stufe. Das ist unkritisch, denn ein höherer Lastindex als gefordert ist zulässig; die Vorgabe aus der Zulassungsbescheinigung Teil I darf nur nie unterschritten werden.
Was dabei oft untergeht: Ein Reifen holt seine höhere Tragfähigkeit nicht aus dem Nichts, sondern aus einer verstärkten Karkasse — und die entfaltet ihre Wirkung nur mit dem passenden, meist höheren Luftdruck. Wenn Sie die Fülldrucktabelle Ihres Fahrzeugs nutzen, achten Sie deshalb auf die Zeile, die zur montierten Ausführung gehört. Warum das so ist und welcher Aufschlag dabei üblich ist, erklärt der Ratgeber zu verstärkten Reifen mit XL-Kennung.
Preise und Label: wo Sie tatsächlich etwas entscheiden
Preislich liegt der Winter in dieser Größe erwartungsgemäß oben, aber nicht dramatisch: Der mittlere Preis beträgt bei Winterreifen 117,00 Euro, bei Sommerreifen 105,40 Euro und bei Ganzjahresreifen 92,26 Euro je Stück (Stand 24. September 2026). Dass der Allwetterreifen hier der günstigste ist, hat weniger mit Großzügigkeit als mit dem Angebot zu tun: In dieser sportlichen Dimension kommen viele Ganzjahresprofile aus dem preisbewussten Segment. Die Spanne innerhalb des Winterregals ist ohnehin viel größer als der Abstand zwischen den Saisons — von 60,16 Euro für den günstigsten bis 228,47 Euro für den teuersten, also knapp das Vierfache.
Beim EU-Reifenlabel wird der Saisonunterschied dann sehr deutlich. Bei der Nasshaftung tragen 97 der 176 Sommerreifen die Bestklasse A, das sind 55,1 Prozent — bei den Winterreifen sind es sechs von 96, also 6,2 Prozent. Bei der Kraftstoffeffizienz ist die Bestklasse im Winter gar nicht besetzt: Von den sechs A-Bewertungen der ganzen Größe entfallen alle sechs auf Sommerreifen, kein einziger Winter- oder Ganzjahresreifen erreicht sie. Ein C beim Kraftstoff ist im Winterregal also kein schlechter Wert, sondern der obere Durchschnitt — wer hier auf ein A wartet, wartet vergeblich. Dass das kein Einzelfall dieser Dimension ist, zeigt unsere Auszählung dazu, wie selten Nasshaftung A bei Winterreifen vorkommt.
Die praktische Konsequenz ist unspektakulär: Vergleichen Sie in dieser Größe über die Nasshaftung, nicht über die Effizienz — dort gibt es sechs echte Alternativen, hier keine. Und werten Sie einen niedrigen Geschwindigkeitsindex nicht automatisch als Sparangebot.
Drei lieferbare Winterreifen in 245/40 R18
Drei Beispiele aus dem aktuellen Bestand, die die drei realistischen Wege in dieser Größe abbilden (Label in der Reihenfolge Effizienz, Nasshaftung, Rollgeräusch):
- Bester Nasswert im Feld: Nokian SNOWPROOF 3P 245/40 R18 97V — Label C/A/72, einer der sechs Winterreifen der Größe mit Nasshaftung A und damit genau das Kriterium, über das sich hier überhaupt entscheiden lässt.
- Genau im Mittelfeld: Hankook WiNter i*cept evo3 W330 245/40 R18 97V — mit 117,00 Euro liegt dieser Reifen exakt auf dem mittleren Preis aller 96 Winterausführungen.
- Für die hohe Bauartgeschwindigkeit: Continental WinterContact TS 870 P 245/40 R18 97W — eine der nur zehn W-Ausführungen und damit eine der wenigen Möglichkeiten, in dieser Größe ohne Geschwindigkeitsaufkleber auszukommen.
Unterm Strich: In 245/40 R18 ist die Auswahl im Winter geringer, als die Trefferzahl vermuten lässt — nicht bei der Menge, sondern bei den Kennzahlen. Das obere Ende der Geschwindigkeitsskala fehlt, der Lastindex ist vorgegeben, und die Effizienzklasse A existiert nicht. Wer das weiß, sucht gezielter: erst die Bauartgeschwindigkeit aus den Papieren, dann die Nasshaftung, dann der Preis. Das komplette Angebot finden Sie bei den Winterreifen für den Pkw, die Allwetter-Alternative bei den Ganzjahresreifen fürs Auto, und Begriffe von Lastindex bis Alpine-Symbol erklärt unser Reifen-Wiki.
Häufige Fragen
Darf ich in 245/40 R18 einen Winterreifen mit H-Kennung fahren, obwohl mein Auto schneller ist?
Ja. Nach § 36 Absatz 5 StVZO ist das zulässig, wenn ein Schild, ein Aufkleber oder eine Anzeige im Blickfeld des Fahrzeugführers die für den Reifen zulässige Höchstgeschwindigkeit nennt und diese im Betrieb nicht überschritten wird. Die Erleichterung gilt nur für Reifen mit dem Alpine-Symbol.
Warum kosten die langsamsten Winterreifen dieser Größe am meisten?
Weil es sich um nordische Profile für Schnee und Eis handelt, nicht um Sparversionen. Ihre weiche Mischung und die Ausrichtung auf Eisgriffigkeit machen sie teuer und begrenzen zugleich die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Dieselbe Kennung 97H tragen in dieser Größe aber auch Budgetreifen ab 68,08 Euro.
Kann ich im Winter auf den Lastindex 93 ausweichen, um Geld zu sparen?
In dieser Größe nicht: Alle 96 lieferbaren Winterausführungen tragen den Lastindex 97. Die 29 Reifen mit 93 sind bis auf einen Ganzjahresreifen ausnahmslos Sommerreifen. Maßgeblich bleibt ohnehin der Mindestwert aus der Zulassungsbescheinigung Teil I, den Sie nicht unterschreiten dürfen.