# Nasshaftung D und E: Warum diese Reifen in keinem Vergleichstest auftauchen

Veröffentlicht: 22.08.2026 · Aktualisiert: 06.10.2026 · Kategorie: Reifenlabel & EU-Kennzeichnung · Autor: Reifentiefpreis · Schlagwörter: EU-Reifenlabel, Nasshaftung, Reifentest, Kaufberatung, Sicherheit

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Auf jedem Neureifen für Pkw klebt ein Etikett mit drei Bewertungen, und eine davon ist die wichtigste für Ihre Sicherheit: die Nasshaftung. Die Skala reicht von A bis E. Über das obere Ende wird viel geschrieben — über das untere fast nie. Dabei steckt dort eine Information, die kein Reifentest der Welt Ihnen liefern kann: Reifen mit den Klassen D und E tauchen in Vergleichstests gar nicht erst auf, weil sie vom Testkonsortium schon vor dem ersten Bremsversuch aussortiert werden. Wir haben deshalb zwei komplette Reifengrößen in unserem Sortiment ausgezählt und uns angesehen, wer am unteren Ende der Skala steht, was diese Reifen kosten und warum ein E nicht in jedem Fall dasselbe bedeutet.

Diese Auswertung haben wir am 6. Oktober 2026 vollständig neu erhoben — und dabei einen Fehler in unserer eigenen ersten Zählung vom August gefunden, der die Kernzahl dieses Beitrags betraf. Ein Teil der Reifen, die wir damals als „Klasse E" mitgezählt haben, trägt überhaupt keine gemessene Klasse, sondern einen Platzhalter in den Produktdaten. Wie wir darauf gekommen sind und was die bereinigten Zahlen sagen, steht weiter unten — es ist die interessantere Geschichte als die Zählung selbst.

## Was die Klassen A bis E über die Nasshaftung wirklich sagen

Die Nasshaftungsklasse ist kein Gefühl und keine Herstellermeinung, sondern ein Messergebnis. Nach der Reifen-Kennzeichnungs-Verordnung (EU) 2020/740 wird auf nasser Fahrbahn entweder der Bremsweg mit ABS oder der maximale Reibwert zwischen Reifen und Fahrbahn ermittelt und mit den Werten eines Referenzreifens verglichen. Aus diesem Vergleich entsteht der sogenannte Nasshaftungskoeffizient G, und der wird anschließend in die Klassen A bis E einsortiert — A steht für den kürzesten, E für den längsten Bremsweg. Das erklärt der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie auf seiner Informationsseite [zum Reifenlabel und seinen Bewertungskriterien](https://dasreifenlabel.de/reifenlabel/) ausführlich.

Wie groß der Abstand zwischen oben und unten ausfällt, ist beziffert: Ist ein Pkw komplett mit Reifen der Klasse A bestückt, kann er bei einer Vollbremsung aus 80 km/h auf durchschnittlich griffiger Fahrbahn bis zu 18 Meter früher stehen als derselbe Wagen auf Reifen der Klasse E. Achtzehn Meter sind mehr als vier Autolängen — das ist der Unterschied zwischen einem Schreckmoment und einem Auffahrunfall. Wie sich diese Spanne auf die einzelnen Klassenstufen verteilt und was sie im Alltag bedeutet, haben wir in unserem Ratgeber dazu beschrieben, [wie viel kürzer ein Reifen mit Nasshaftung A bremst](https://www.reifentiefpreis.live/blog/nasshaftung-reifenlabel).

Wichtig ist dabei ein Detail, das oft untergeht: Die Klasse gehört nicht zum Modellnamen, sondern zur einzelnen Ausführung. Derselbe Reifen kann in einer Größe ein B und in der nächsten ein C tragen. Wer sich auf das [EU-Reifenlabel](https://www.reifentiefpreis.live/info/reifenlabel) verlässt, muss deshalb immer die Angabe zu genau der Größe und Kennung lesen, die er kaufen will — nicht die zum Modell allgemein. Das ist keine theoretische Spitzfindigkeit: In unserem gesamten Pkw-, SUV- und Transporterangebot von 48.120 lieferbaren Reifen tragen 47.719 Ausführungen einen Nasshaftungswert, und die Streuung innerhalb einzelner Modellfamilien ist erheblich. Wir haben das an anderer Stelle systematisch nachgezählt und beschrieben, [warum derselbe Reifen je nach Größe ein anderes EU-Label trägt](https://www.reifentiefpreis.live/blog/reifenlabel-nach-groesse).

## Der ADAC lässt D und E gar nicht erst antreten

Jetzt kommt der Punkt, der in kaum einer Kaufberatung steht. Das Testkonsortium um den ADAC wählt die Reifenmodelle für seine Vergleichstests nach Marktbedeutung und Preisspanne aus — und filtert vorher hart. Auf den Übersichtsseiten zu den Reifentests beschreibt der Club die Produktauswahl wörtlich so: „Bei der Produktauswahl werden nur Reifenmodelle berücksichtigt, deren EU-Reifenlabel in dem Kriterium ‚Nasshaftung' die Klasse ‚C' oder besser trägt. Damit soll vermieden werden, dass Reifen an dem Vergleichstest teilnehmen, die dem Anschein nach die Mindestanforderung in diesem wichtigen Kriterium nicht erfüllen." Nachlesen können Sie das in der Methodenbeschreibung zum [ADAC-Sommerreifentest in 225/50 R17](https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/reifen/reifentest/sommerreifen/225-50-r17-2026/).

Derselbe Methodentext verrät noch zwei Dinge über die Auswahl, die das Bild vervollständigen. Erstens entscheidet über die geprüften Dimensionen das Konsortium selbst, nach Kriterien wie Marktstärke und Aktualität früherer Tests — die Hersteller haben darauf ausdrücklich keinen Einfluss. Zweitens wird jeder Prüfling anonym beschafft: 28 Reifen je Modell, im freien Handel, in kleineren Mengen bei bis zu fünf verschiedenen Händlern. Das ist ein sauberes Verfahren, und genau deshalb lohnt es sich, seine eine große Einschränkung zu kennen.

Denn daraus folgt etwas Grundsätzliches über Reifentests: Ein Testfeld ist keine Stichprobe des Marktes, sondern bereits eine Vorauswahl. Wenn in einem Test „kein Reifen durchfällt", heißt das nicht, dass es keine schwachen Reifen gibt — es heißt, dass die schwächsten von vornherein nicht mitfahren durften. Wie groß dieser ausgeschlossene Teil des Marktes ist, lässt sich beziffern: Über unser gesamtes Angebot hinweg tragen 3.065 von 46.751 belastbar bewerteten Ausführungen ein D oder E, also 6,6 Prozent. Die Hürde des Konsortiums sortiert damit rund jeden fünfzehnten Reifen im Regal aus, bevor der Test beginnt.

Und umgekehrt: Ein Reifen, der in keinem Test auftaucht, muss deshalb noch lange kein schlechter Reifen sein. Für die allermeisten Größen gibt es schlicht überhaupt keinen aktuellen Test, wie unsere Auszählung der Testarchive zeigt — sie beziffert, [für welche Reifengrößen es überhaupt aktuelle Tests gibt](https://www.reifentiefpreis.live/blog/reifentests-nach-groesse). Für Sie als Käufer bedeutet die Regel deshalb zweierlei. Erstens: Das Label ist an dieser Stelle informativer als jede Testnote, weil es für jede einzelne Ausführung existiert und nicht nur für die zwei Handvoll Modelle, die es ins Testfeld geschafft haben. Zweitens: Ein D oder E ist ein Signal, das die Fachwelt selbst ernst nimmt — sonst würde man diese Reifen nicht vom Vergleich ausschließen. Bleibt die Frage, wie oft Ihnen dieses Signal beim Reifenkauf überhaupt begegnet.

## 26 von 819: Wie selten das untere Ende in einer Bestseller-Größe wirklich ist

Um das zu beantworten, haben wir eine der meistgefragten Pkw-Größen unseres Shops vollständig ausgezählt: 205/55 R16. Erfasst wurden am 6. Oktober 2026 alle lieferbaren Pkw-Reifen dieser Dimension aus unserem Produktkatalog. Das Ergebnis: **826 lieferbare Ausführungen von 84 Marken**, davon 413 Sommerreifen, 222 Winterreifen, 188 Ganzjahresreifen und drei Reifen ohne Saisonzuordnung. Im August hatten wir an derselben Stelle 852 Ausführungen von 85 Marken gezählt — das Regal ist also um gut drei Prozent geschrumpft, die Struktur ist dieselbe geblieben.

Zählt man die Nasshaftungsklassen nun einfach so aus, wie sie in den Produktdaten stehen, ergibt sich dieses Bild: 167 Ausführungen mit A, 428 mit B, 198 mit C, zwölf mit D und 21 mit E. Macht 33 Reifen mit D oder E, also 4,0 Prozent — fast genau dieselbe Zahl wie im August. Und genau an dieser Stelle lag unser Fehler, denn diese 33 sind zu hoch gegriffen.

**Sieben dieser Ausführungen tragen kein gemessenes Label, sondern einen Platzhalter.** Sie alle führen exakt dieselbe Wertekombination — Kraftstoffeffizienz E, Nasshaftung E, Rollgeräusch 79 Dezibel — und keine einzige davon hat eine gültige Registernummer in der europäischen Produktdatenbank EPREL. Eine Messung, die bei sieben Reifen verschiedener Hersteller und Saisons auf drei identische Werte käme, gibt es nicht; das ist der Füllwert, mit dem Lieferantendaten die Pflichtfelder besetzen, wenn das echte Datenblatt fehlt. Betroffen sind unter anderem ein Hankook-Ganzjahresreifen, ein Kumho, drei Ausführungen von Landsail sowie je eine von Delinte und Grenlander. Dass eine Registernummer kein Beiwerk, sondern der eigentliche Beweis für einen Labelwert ist, haben wir gesondert aufgeschrieben — dort steht, [was das EU-Register über einen Reifen wirklich beweist](https://www.reifentiefpreis.live/blog/eprel-nummer-beweiskraft).

Rechnet man diese sieben Platzhalter heraus, bleiben **819 belastbar bewertete Ausführungen**, und die Verteilung sieht so aus:

- **Klasse A — 167 Ausführungen (20,4 Prozent):** jeder fünfte Reifen im Regal erreicht die Bestnote.
- **Klasse B — 428 Ausführungen (52,3 Prozent):** die klare Mehrheit, mehr als die Hälfte des Angebots.
- **Klasse C — 198 Ausführungen (24,2 Prozent):** solide Mitte und zugleich die letzte Stufe, die der ADAC in ein Testfeld lässt.
- **Klasse D — zwölf Ausführungen (1,5 Prozent).**
- **Klasse E — 14 Ausführungen (1,7 Prozent).**

Unter dem Strich tragen also **26 von 819 Ausführungen die Klasse D oder E — 3,2 Prozent** und nicht die 3,9 Prozent, die wir im August gemeldet hatten. Die Platzhalter hatten die E-Klasse um die Hälfte aufgebläht: 21 gemeldete E, 14 echte. In einer gefragten Bestseller-Dimension ist das untere Ende der Skala damit noch seltener als gedacht — und nur halb so häufig wie im Mittel unseres Gesamtangebots, wo 6,6 Prozent erreicht werden. Wer hier zufällig zugreift, landet mit hoher Wahrscheinlichkeit bei B oder C.

Beruhigend ist das trotzdem nur auf den ersten Blick, denn die 26 verteilen sich nicht gleichmäßig über das Regal. Winterreifen stellen 222 der 826 Ausführungen, also 26,9 Prozent des Angebots. Unter den 26 Reifen mit D oder E sind es aber **21 — gut vier Fünftel**. Winterreifen sind am unteren Ende der Nasshaftungsskala damit dreimal so stark vertreten wie im Gesamtangebot. Drei Sommerreifen, ein Ganzjahresreifen und ein Sportreifen machen den Rest aus. Bemerkenswert daran: Die Bereinigung hat das Muster nicht abgeschwächt, sondern verschärft — denn die herausgerechneten Platzhalter waren überwiegend Sommer- und Ganzjahresreifen. Wer saubere Daten zählt, sieht den Winterschwerpunkt deutlicher als wer alles mitnimmt.

## In der kleinen Größe trifft es mehr als jeden zwölften Reifen

Damit aus einer Momentaufnahme ein belastbares Bild wird, haben wir dieselbe Vollerhebung in einer zweiten, deutlich kleineren Dimension wiederholt: 165/70 R14, eine typische Kleinwagengröße, die in unserer Nachfragestatistik ebenfalls weit oben steht. Hier fanden wir **255 lieferbare Pkw-Ausführungen von 72 Marken** — 103 Sommer-, 72 Winter- und 80 Ganzjahresreifen. Auch hier steckten Platzhalter in den Daten, allerdings nur zwei, sodass 253 belastbar bewertete Ausführungen übrig bleiben.

Das Bild kippt deutlich. Nur **sieben Ausführungen (2,8 Prozent)** erreichen Nasshaftung A, 88 (34,8 Prozent) liegen bei B und 135 (53,4 Prozent) bei C. Am unteren Ende stehen zwölf Reifen mit D und zehn mit E: **22 von 253 Ausführungen oder 8,7 Prozent** — mehr als jeder zwölfte Reifen und damit fast dreimal so häufig wie in 205/55 R16. Diese Größe liegt damit nicht nur über dem Wert der Bestseller-Dimension, sondern auch über dem Mittel unseres Gesamtangebots von 6,6 Prozent.

Die Saisonverteilung ist hier übrigens eine andere als in der großen Größe: Winterreifen stellen 28,2 Prozent des Angebots und die Hälfte der D/E-Gruppe, sind also nur knapp doppelt so stark vertreten wie im Schnitt. Dafür sitzen in dieser Dimension sechs Ganzjahres- und fünf Sommerreifen am unteren Ende — das schwache Nassergebnis ist in der Kleinwagengröße also kein Winterphänomen, sondern zieht sich durch alle Saisons.

Dass kleine Größen bei den Labelklassen insgesamt schlechter dastehen, ist kein Zufall dieser einen Dimension, sondern ein Muster, das sich über das ganze Sortiment zieht — wir haben es an anderer Stelle über mehrere Zollgrößen hinweg ausgewertet und beschrieben, [warum kleine Reifengrößen selten ein A auf dem Label tragen](https://www.reifentiefpreis.live/blog/reifenauswahl-nach-groesse). Für den Kauf heißt das: Je kleiner Ihr Rad, desto genauer lohnt sich der Blick auf die Nasshaftungsklasse, weil die Wahrscheinlichkeit spürbar steigt, in diesem Regal auf ein D oder E zu stoßen.

## Der Preis warnt Sie nicht

Die naheliegende Vermutung lautet: Reifen mit D oder E sind die Billigsten im Regal, und wer etwas mehr ausgibt, ist automatisch auf der sicheren Seite. Unsere Zahlen widerlegen das ziemlich gründlich. In 205/55 R16 liegt der Medianpreis aller Ausführungen bei 67,61 Euro — der Medianpreis der Reifen mit D oder E bei 63,00 Euro. Das sind viereinhalb Euro Unterschied bei einem Reifen, der rund 67 Euro kostet; als Warnsignal taugt das nicht. In 165/70 R14 ist es sogar umgekehrt: Dort kostet der mittlere Reifen 49,93 Euro, der mittlere Reifen mit D oder E aber 54,25 Euro. Am Preisschild ist die schwache Nasshaftung also nicht zu erkennen. Alle Preise sind Stände vom 6. Oktober 2026 und ändern sich im Reifenhandel laufend.

Ein Hinweis zur Ehrlichkeit der Zahlen, weil er zum Thema dieses Beitrags passt: In der D/E-Gruppe von 205/55 R16 steht ein Winterreifen mit 869,16 Euro in unseren Daten. Das ist offensichtlich kein Preis, sondern ein Datenfehler — derselbe Reifen in derselben Dimension ist bei uns für 72,81 Euro gelistet, und die teuerste der zehn Ausführungen dieser Baureihe kostet sonst 169,30 Euro. Wir haben den Satz aus allen Preisrechnungen dieses Beitrags herausgenommen und melden ihn zur Korrektur; eine Zahl, die um eine Größenordnung aus der Reihe fällt, ist ein Fehler und kein Sortimentsmerkmal.

Wer nach Markennamen geht, kommt ebenfalls nicht weit. In den 26 Ausführungen mit D oder E in 205/55 R16 stecken 19 verschiedene Marken, und **zehn davon sind etablierte, bekannte Namen** — es ist also keineswegs nur das Budgetsegment. Der teuerste echte Reifen der Gruppe ist der [Toyo Proxes R888R 205/55 R16 94W](https://www.reifentiefpreis.live/artikel/toyo-proxes-r888r-205-55-r16-94w-95283) für 210,48 Euro. Dahinter folgen der Michelin X-ICE SNOW 205/55 R16 94H für 125,46 Euro, der [Bridgestone BLIZZAK ICE 205/55 R16 94S](https://www.reifentiefpreis.live/artikel/bridgestone-blizzak-ice-205-55-r16-94s-171825) für 118,95 Euro, der Yokohama IceGuard IG53 205/55 R16 91H für 116,48 Euro und der Dunlop SP Winter Sport 3D 205/55 R16 91H für 113,51 Euro — alle fünf mit Nasshaftung E, alle fünf deutlich über dem Median ihrer Größe.

Umgekehrt gibt es die Bestnote schon für kleines Geld: Der [Sailun ATREZZO ELITE2 205/55 R16 94V](https://www.reifentiefpreis.live/artikel/sailun-atrezzo-elite2-205-55-r16-94v-164642) trägt bei 43,85 Euro Nasshaftung A und ist damit der günstigste A-Reifen dieser Dimension überhaupt. Der [Nexen N blue S 205/55 R16 91V](https://www.reifentiefpreis.live/artikel/nexen-n-blue-s-205-55-r16-91v-116844) kostet 54,56 Euro und schafft sogar zweimal A — bei Nasshaftung und Kraftstoffeffizienz. Preis und Labelklasse sind in dieser Größe schlicht zwei unabhängige Größen.

## Warum ein E nicht automatisch „schlechter Reifen" heißt

Jetzt wird es differenziert — und ehrlicherweise komplizierter, als es die Skala vermuten lässt. Sehen Sie sich die teuren E-Reifen von oben noch einmal an: Drei davon tragen „Ice" im Namen — X-ICE SNOW, BLIZZAK ICE und IceGuard — und sind ausgesprochene Eis- und Schneespezialisten; der teuerste von allen ist ein Semislick für die Rennstrecke. Das ist kein Zufall, sondern die logische Folge dessen, was das Label misst: die Haftung auf **nassem Asphalt** bei den Temperaturen des europäischen Prüfverfahrens. Eine Gummimischung, die auf Eis und festgefahrenem Schnee greifen soll, ist auf eine ganz andere Betriebstemperatur und Oberfläche ausgelegt — und ein Semislick ist für trockene, warme Strecke gebaut, weshalb wir seine Stärken und Grenzen gesondert beschrieben haben, nämlich [was Semislicks von normalen Sommerreifen unterscheidet](https://www.reifentiefpreis.live/blog/sportreifen-uhp-semislicks). Beide Bauarten erkaufen ihre Spezialität mit Nasshaftung, und genau das zeigt das Label auch an.

Die richtige Lesart ist deshalb nicht „D oder E gleich Schrott", sondern: **Das Label sagt Ihnen, worauf dieser Reifen nicht ausgelegt ist.** Für den Alltag auf deutschen Straßen — nasse Landstraße, nasse Autobahn, Regen im November — ist die Nasshaftung das wichtigste der drei Kriterien, weil hier die meisten kritischen Situationen entstehen. Wer sein Auto überwiegend so bewegt, sollte D und E meiden, unabhängig vom Preis und unabhängig vom Markennamen. Wer dagegen bewusst einen Eisspezialisten für eine Skandinavien-Reise oder einen Semislick für Trackdays kauft, weiß, was er tut, und akzeptiert den Kompromiss mit offenen Augen. Beides ist eine legitime Entscheidung — nur eben keine, die man versehentlich treffen sollte.

Bleibt der Rest der Gruppe: Reifen, die weder Eisspezialist noch Rennstreckengerät sind und trotzdem am unteren Ende stehen. Bei ihnen ist das D oder E genau das, wonach es aussieht — ein schwacher Wert in der Disziplin, die im Alltag am häufigsten über den Ausgang einer brenzligen Situation entscheidet.

Und dann gibt es die dritte Gruppe, die uns dieser Refresh erst sichtbar gemacht hat: Reifen, bei denen das E überhaupt keine Aussage ist. Der Platzhalter E/E/79 ist kein Einzelfall unseres Regals, sondern zieht sich durch den Markt: In unserem gesamten Pkw-, SUV- und Transporterangebot tragen **968 Ausführungen aus 52 Marken** diese Kombination ohne gültige Registernummer, und bei 4.398 Artikeln steht im EPREL-Feld eine offensichtliche Füllnummer. Zählt man das naiv mit, scheinen korpusweit 8,5 Prozent aller Reifen ein D oder E zu tragen; nach Abzug der Platzhalter sind es 6,6 Prozent. Jeder vierte gemeldete E-Reifen in unserem Angebot ist also gar keiner. Wie häufig Datenbank und Etikett auseinanderlaufen, zeigt auch [unsere Stichprobe von 200 Winterreifen in der EU-Datenbank](https://www.reifentiefpreis.live/blog/reifenlabel-eprel-pruefen).

## So gehen Sie beim Kauf damit um

Aus den Zahlen ergibt sich eine kurze, praktikable Routine, die keine zwei Minuten kostet:

1. **Nasshaftungsklasse der konkreten Ausführung lesen**, nicht die des Modells. In unseren Artikeldaten steht sie bei jedem Reifen; im stationären Handel steht sie auf dem Aufkleber und im Produktdatenblatt.
2. **C als Untergrenze setzen**, wenn der Reifen ein normaler Straßenreifen für den deutschen Alltag werden soll. Das ist dieselbe Schwelle, die auch das Testkonsortium anlegt.
3. **Bei D oder E prüfen, ob es einen Grund gibt.** Nordischer Eisreifen, Semislick, sehr alte Modellgeneration? Dann ist der Wert erklärbar. Wenn nicht, weitersuchen — in beiden untersuchten Größen gibt es reichlich Alternativen.
4. **Beim Kombinationswert E/E/79 misstrauisch werden.** Steht bei einem Reifen Effizienz E, Nasshaftung E und ausgerechnet 79 Dezibel, und fehlt dazu die EPREL-Registernummer, dann sehen Sie vermutlich keinen Messwert, sondern eine Datenlücke. Fragen Sie in diesem Fall nach dem Produktdatenblatt, statt den Reifen vorschnell als schlecht abzuhaken — oder als gut.
5. **Nicht über den Preis abkürzen.** Ein A ist in 205/55 R16 ab 43,85 Euro zu haben, ein E kann 210,48 Euro kosten. Der Betrag sagt über diese Klasse nichts aus.

Konkret heißt das zum Beispiel: In 205/55 R16 bekommen Sie mit dem [Uniroyal RainSport 5 205/55 R16 91H](https://www.reifentiefpreis.live/artikel/uniroyal-rainsport-5-205-55-r16-91h-104886) für 64,90 Euro einen Sommerreifen mit Nasshaftung A von einem Hersteller, der sich seit Jahrzehnten auf Nässe spezialisiert. Und selbst in der kleinen Größe ist die Bestnote nicht unerreichbar: Der [GT-Radial FE2 165/70 R14 81T](https://www.reifentiefpreis.live/artikel/gt-radial-fe2-165-70-r14-81t-129236) kostet 42,63 Euro und trägt ebenfalls ein A bei der Nasshaftung — hier allerdings als einer von nur sieben A-Reifen der ganzen Dimension. Das komplette Angebot finden Sie auf unseren Größenseiten für [alle Reifen in 205/55 R16](https://www.reifentiefpreis.live/reifen/groesse/205-55-r16) und für [das Angebot in 165/70 R14](https://www.reifentiefpreis.live/reifen/groesse/165-70-r14).

Unterm Strich: Das untere Ende des Labels ist seltener, als unsere erste Zählung vermuten ließ — aber es ist da, und es versteckt sich weder hinter niedrigen Preisen noch hinter unbekannten Marken. Ein Blick auf einen einzigen Buchstaben genügt, um es zu erkennen. Ein zweiter Blick auf die Registernummer sagt Ihnen, ob dieser Buchstabe überhaupt etwas bedeutet.

## Häufige Fragen

### Darf ein Reifen mit Nasshaftung D oder E überhaupt verkauft werden?

Ja. Das EU-Reifenlabel ist eine Informationspflicht und kein Verbot — es macht die gemessene Leistung nur sichtbar. Ob ein Reifen auf den Markt darf, regelt separat die technische Typgenehmigung nach der UNECE-Regelung Nr. 117, deren verschärfte Anwendung seit Juli 2026 tatsächlich Modelle aus dem Handel genommen hat; das haben wir in unserem Beitrag zur [ECE-R117 und ihren Folgen für das Reifenangebot](https://www.reifentiefpreis.live/blog/ece-r117-2026-reifen-zulassung) beschrieben.

### Hat ein Reifenmodell immer dieselbe Nasshaftungsklasse?

Nein. Die Klasse wird je Ausführung ermittelt, also je Kombination aus Größe, Last- und Geschwindigkeitsindex. Ein Modell kann in einer Dimension ein B und in einer anderen ein C oder D tragen. Dass hinter einem Reifennamen sogar mehrere verschiedene Registereinträge stehen können, zeigt unsere Auswertung dazu, [wie oft ein Reifen mit zwei unterschiedlichen Etiketten geführt wird](https://www.reifentiefpreis.live/blog/reifen-mehrere-registereintraege).

### Wie erkenne ich die Klasse, bevor ich bestelle?

Bei jedem Neureifen für Pkw, Transporter und Lkw müssen die drei Labelwerte vor dem Kauf sichtbar sein. Im Onlinehandel stehen sie in den Artikeldaten, auf dem Reifen selbst klebt das Etikett, und über den QR-Code auf dem Label gelangen Sie in die europäische Produktdatenbank EPREL mit dem hinterlegten Datenblatt. Fehlt diese Registernummer, sollten Sie die angegebenen Werte als unbestätigt behandeln.


Quelle: https://www.reifentiefpreis.live/blog/nasshaftung-d-und-e
