140/80 R18: fünfmal derselbe Enduroreifen in fünf Mischungen
Wer eine Sport-Enduro fährt, kennt die Zahlenfolge an der Hinterachse auswendig: 140/80 R18 steht auf fast jedem Hinterreifen, der unter einer KTM EXC, einer Husqvarna TE, einer GasGas oder einer Beta hängt. Die Größe wirkt auf den ersten Blick übersichtlich – 49 lieferbare Ausführungen von zwölf Marken, alle mit derselben Tragfähigkeit. Der eigentliche Unterschied steht aber gar nicht in der Größenangabe, sondern in einem kleinen Zusatz dahinter: Soft, Medium, Hard. In dieser Größe kaufen Sie nicht nur ein Profil, sondern eine Gummimischung mit. Bei einer Baureihe stehen gleich fünf davon nebeneinander im Regal.
Wer auf 140/80 R18 fährt – und wer nicht
Unsere Freigabedatenbank für Motorradreifen listet zu dieser Hinterreifengröße 186 Fahrzeugvarianten aus 21 Marken mit insgesamt 1.046 freigegebenen Reifenpaarungen. Die Verteilung ist deutlich: KTM stellt 67 dieser Varianten, Husqvarna 37, GasGas 18, Husaberg 15, Beta 11, Yamaha 9 und SWM 6. Dahinter folgen Aprilia, Fantic, Sherco, Kove, Voge, CFMOTO, Rieju, Moto Morini und ein gutes halbes Dutzend weiterer Hersteller mit ein bis drei Einträgen.
Das sind fast ausnahmslos Enduros im sportlichen Sinn – Maschinen von 125 bis 950 Kubikzentimetern, gebaut für Waldwege, Schotter und Gelände, mit hohem Federweg und Speichenrädern. Aktuelle Beispiele aus der Datenbank sind die KTM 690 Enduro R und die 390 Enduro R (beide ab Modelljahr 2025), die Husqvarna 701 Enduro, die GasGas ES 700, die CFMOTO 450 MT, die Fantic XEF 450 Rally oder die Beta Alp 4.0. Die ältesten Einträge reichen bis ins Jahr 1983 zurück – die Größe ist also seit über vier Jahrzehnten im Programm.
Was Sie dort nicht finden: die großen Reiseenduros. BMW GS, Honda Africa Twin, Yamaha Ténéré oder Suzuki V-Strom fahren hinten breiter und meist 17 Zoll. Wer eine solche Maschine bewegt, ist im Ratgeber zu Enduro- und Adventure-Reifen besser aufgehoben. Bemerkenswert ist noch ein zweiter Befund: Alle 186 Fahrzeugvarianten fahren vorne 90/90 R21 – ohne eine einzige Ausnahme. Wenn hinten 140/80 R18 montiert ist, steht vorn also mit Sicherheit das 21-Zoll-Rad, für das wir die Auswahl in einem eigenen Beitrag über den Vorderreifen 90/90 R21 aufgeschlüsselt haben. Beide Reifen sollten aus derselben Profilfamilie stammen, damit Kontur und Charakter zusammenpassen.
Was in der Größenangabe steckt
Die Bezeichnung liest sich Stelle für Stelle, ausführlich erklärt das der Ratgeber Motorradreifen-Größe lesen:
- 140 ist die Nennbreite in Millimetern.
- 80 ist das Verhältnis von Höhe zu Breite in Prozent – die Flanke ist hier rund 112 Millimeter hoch. Das ist viel und genau so gewollt: Die hohe Flanke federt Schläge im Gelände weg und erlaubt niedrige Luftdrücke.
- 18 ist der Felgendurchmesser in Zoll.
Dahinter folgt die Betriebskennung. Und die ist in dieser Größe erstaunlich einheitlich: Alle 49 lieferbaren Ausführungen tragen den Lastindex 70, also 335 Kilogramm Tragfähigkeit pro Reifen. Kein einziger weicht ab – anders als bei Straßengrößen, wo oft zwei oder drei Tragfähigkeiten nebeneinanderstehen.
Beim Geschwindigkeitsindex ist es umgekehrt. Sieben verschiedene Buchstaben verteilen sich auf die 49 Reifen: 27-mal R (bis 170 km/h), 13-mal M (bis 130 km/h), viermal S (bis 180 km/h) sowie je einmal P (150 km/h), Q (160 km/h), T (190 km/h) und H (210 km/h). Wer eine straßenzugelassene Enduro mit 150 oder 170 km/h Höchstgeschwindigkeit fährt, muss also genau hinsehen: Der Index im Fahrzeugschein ist die Untergrenze, unterschreiten dürfen Sie ihn nicht. Die 13 Reifen mit M fallen für schnellere Maschinen damit von vornherein aus.
Der eigentliche Unterschied steckt in der Mischung
In den meisten Reifengrößen wählen Sie zwischen Marken und Profilen. Hier kommt eine dritte Ebene dazu: 13 der 49 Ausführungen gehören zu nur fünf Profilfamilien und unterscheiden sich innerhalb der Familie vor allem durch eine Mischungsangabe auf der Flanke.
Das extremste Beispiel ist der Metzeler MCE 6 Days Extreme: Er steht in dieser einen Größe fünfmal im Regal – als Standardausführung für 85,44 Euro, als „medium“ für 86,04 Euro, als „Soft“ für 90,70 Euro, als „Super Soft“ für 94,54 Euro und als „Extra Soft“ für 109,74 Euro. Gleiches Profil, gleiche Größe, gleicher Lastindex, gleicher Geschwindigkeitsindex – und trotzdem 24,30 Euro Unterschied zwischen der günstigsten und der teuersten Variante. Alle Ausführungen finden Sie auf der Modellseite des MCE 6 Days Extreme.
Die übrigen vier Familien funktionieren genauso: Der Metzeler MC360 MID kommt als Soft (76,65 Euro) und als Hard (80,56 Euro), der Maxxis Maxxenduro M-7314K in einer Standard- und einer Soft-Version (83,28 und 96,25 Euro), der Michelin Enduro als Medium und als Medium 2 (94,08 und 103,69 Euro), der Bridgestone Battlecross E50R als Basisversion und als Extreme (87,34 und 101,04 Euro).
Wichtig: Für die Bezeichnungen Soft, Medium oder Hard gibt es keine Norm. Jeder Hersteller legt selbst fest, was er darunter versteht, und die Angabe zielt mal auf die Gummimischung, mal auf den Untergrund, für den der Reifen gedacht ist. Verlassen Sie sich deshalb nicht auf den Wortlaut allein, sondern auf die Produktbeschreibung des Herstellers – und darauf, welchen Boden Sie tatsächlich fahren.
Grob gilt die Faustregel, die jeder Geländefahrer kennt: Weichere Mischungen und größere Stollenabstände bringen auf losem, feuchtem oder felsigem Untergrund mehr Grip, verschleißen dafür auf hartem Boden und auf Asphalt schneller. Härtere Ausführungen halten länger, greifen im Schlamm aber weniger entschlossen zu. Wer viel Anfahrt über die Straße hat, zahlt jede Weichheit mit Laufleistung.
Vom Wettbewerbsreifen bis zum straßenfähigen Grobstoller
Trotz des sportlichen Fahrzeugfelds ist das Regal in dieser Größe breiter, als man denkt. Drei Gruppen lassen sich klar unterscheiden.
Wettbewerbsnahe Geländereifen stellen den größten Block: MCE 6 Days Extreme, MC360 MID, Battlecross E50R, Maxxenduro, Dunlop Geomax Enduro, Pirelli Scorpion XC. Sie tragen häufig den Index M und sind für den Renn- und Geländeeinsatz gedacht. Wichtig für die Zulassung: Keine der 49 Ausführungen in dieser Größe trägt die Kennung NHS („Not for Highway Service“), alle haben also Last- und Geschwindigkeitsindex. Woran Sie reine Wettbewerbsreifen sonst erkennen, steht im Beitrag NHS auf der Flanke. Ein typischer Vertreter dieser Gruppe ist der Metzeler MC360 MID Hard 140/80-18 70M für 80,56 Euro.
Rallye- und Wüstenreifen bilden die zweite Gruppe – Dunlop D 908 Rallye Raid, Michelin Desert Race, Metzeler Karoo Extreme, Pirelli MT 21 RallyCross, Mitas Terra Force. Sie sind robuster aufgebaut, tragen meist den Index R und liegen preislich im oberen Drittel.
Straßenfähige Allrounder schließlich sind die Reifen, mit denen Sie zur Ausfahrt auch anreisen: Continental TKC 80 und TKC 80², Heidenau K 60 Scout und K60 Ranger, Metzeler Karoo 4, Michelin Anakee Wild, Dunlop Trailmax Raid, Mefo F 99. Der Klassiker unter ihnen ist der Continental TKC 80 140/80-18 70R für 98,45 Euro; auf hohe Laufleistung setzt der Heidenau K 60 Scout 140/80-18 70T für 126,27 Euro, der mit Index T auch die schnellsten Maschinen dieser Größe abdeckt. Nur zwei der 49 Reifen tragen übrigens die Winterkennung M+S: der Heidenau K60 Ranger und der Mitas MC 23 Rockrider.
Fast immer mit Schlauch – und kein einziger Radialreifen
Zwei technische Eigenheiten fallen in dieser Größe besonders auf. Die erste: Nur fünf der 49 Ausführungen sind überhaupt als schlauchlos ausgewiesen – der Continental TKC 80 und sein Nachfolger TKC 80², der Kenda K 784, der Dunlop Trailmax Raid und der Michelin Anakee Wild. Die übrigen 44 sind reine Schlauchreifen. Das ist kein Zufall, sondern folgt dem Fahrzeug: Sport-Enduros fahren klassische Speichenräder, deren Felgenbett an den Speichennippeln nicht luftdicht ist. Welcher Schlauch, welches Ventil und welches Felgenband dazugehören, erklärt der Ratgeber Motorrad-Schlauch richtig wählen – und warum das Felgenband keine Nebensache ist, der Beitrag darüber.
Die zweite Eigenheit: In 140/80 R18 gibt es im Regal keinen einzigen Radialreifen. 48 Ausführungen tragen den Bindestrich der Diagonalbauart (140/80-18), eine ist als Gürteldiagonalreifen mit „B“ gekennzeichnet. Für Geländereifen ist das die übliche Bauweise – sie ist robust, gutmütig und verträgt niedrige Luftdrücke. Wichtig ist nur die Konsequenz: Diagonal- und Radialreifen gehören nicht gemischt an ein Motorrad. Was die beiden Bauarten praktisch unterscheidet, haben wir am Beispiel der Vorderreifengröße 110/80 R19 durchgerechnet.
Preise, Papiere und der Blick vor dem Kauf
Preislich ist die Größe gutmütig. 48 der 49 Ausführungen kosten zwischen 68,89 und 179,70 Euro, der Median liegt bei 106,23 Euro – ein einzelner Ausreißer weit darüber bleibt hier außen vor. 19 Reifen sind für unter 100 Euro zu haben, zwölf sogar für unter 90 Euro. Günstigster Reifen der Größe ist der CST Bite Enduro CM-742 für 68,89 Euro, teuerster im regulären Feld der Michelin Desert Race für 179,70 Euro. Metzeler stellt mit zehn Ausführungen das größte Angebot, gefolgt von Michelin mit sechs sowie Continental und Dunlop mit je fünf.
Vor dem Kauf lohnen sich drei Kontrollen. Erstens: Größe, Last- und Geschwindigkeitsindex müssen mindestens den Werten in der Zulassungsbescheinigung Teil I entsprechen. Zweitens: Bauart nicht wechseln, wenn das Fahrzeug diagonal eingetragen ist. Und drittens das Profil – gesetzlich vorgeschrieben ist auch am Motorrad eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern nach § 36 StVZO, wobei grobstollige Geländereifen lange vorher ihren Biss verlieren. Woran Motorradreifen bei der Hauptuntersuchung sonst scheitern, steht im Beitrag zur Motorradreifen-Prüfung beim TÜV.
Unterm Strich ist 140/80 R18 eine der ehrlichsten Größen im Sortiment: eine Tragfähigkeit, ein Vorderreifenformat, klare Bauart – und eine Auswahl, die sich nicht am Markennamen entscheidet, sondern daran, wie weich Ihre Mischung sein darf und wie viel Asphalt zwischen Ihnen und dem Waldweg liegt. Alle lieferbaren Profile zeigt die Größenübersicht 140/80 R18, das gesamte Regal die Kategorie Enduro- und Crossreifen. Welche Reifen für Ihre Maschine freigegeben sind, zeigt Ihnen der Reifenfinder für Motorräder.
Häufige Fragen
Darf ich statt 140/80 R18 eine andere Größe montieren?
Nur, wenn die Größe in der Zulassungsbescheinigung Teil I eingetragen ist oder eine Änderungsabnahme erfolgt. Maßgeblich sind die Fahrzeugpapiere, nicht die Empfehlung eines Reifenhändlers – im Zweifel fragen Sie vorher bei einer Prüforganisation nach.
Was bedeutet der Zusatz „Extra Soft“ auf dem Enduroreifen?
Er bezeichnet eine besonders weiche Ausführung derselben Profilfamilie. Genormt ist der Begriff nicht: Jeder Hersteller definiert seine Mischungsstufen selbst, weshalb ein „Soft“ der einen Marke nicht mit dem „Soft“ einer anderen vergleichbar ist.
Brauche ich für diese Größe zwingend einen Schlauch?
In aller Regel ja. 44 der 49 lieferbaren Ausführungen sind reine Schlauchreifen, und die typischen Speichenräder dieser Maschinen sind ohnehin nicht luftdicht. Nur wenige Profile sind schlauchlos ausgewiesen – und auch dann entscheidet die Felge Ihres Motorrads, ob schlauchloser Betrieb zulässig ist.