Ganzjahresreifen: 36 Prozent des Marktes, aber nur jedes vierte Regalfach
Winterreifen, Sommerreifen oder das ganze Jahr über derselbe Satz? Immer mehr Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland entscheiden sich für die dritte Variante — beim Absatz liegt der Ganzjahresreifen inzwischen vor dem klassischen Sommerreifen. So weit die Nachfrageseite. Wir haben zum Start der Wechselsaison die andere Seite angeschaut: unser eigenes Regal. Für 35.028 lieferbare Pkw-Reifenausführungen aus dem offenen Produktkatalog vom 21. September 2026 haben wir ausgezählt, wie viel Platz die Hersteller dem Allwetterprofil tatsächlich einräumen — nach Saison, nach Profilen und nach Marken. Das Ergebnis erklärt, warum sich der Boom im Laden anders anfühlt als in der Marktstatistik.
Fast 36 Prozent: Das Allwetterprofil hat den Sommerreifen überholt
In der jüngsten vollständigen Jahresbilanz des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) — dem Reifenersatzgeschäft 2024 — kletterte der Marktanteil der Ganzjahresreifen von 33 auf knapp 36 Prozent. Damit haben Allwetterprofile den reinen Sommerreifen überholt, der auf rund 26 Prozent zurückfiel. An der Spitze steht weiterhin der Winterreifen mit rund 38 Prozent, doch sein Vorsprung schmilzt spürbar. Insgesamt wechselten rund 47,5 Millionen Pkw-, Transporter- und Lkw-Reifen im Ersatzgeschäft den Besitzer, ein Plus von 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Quelle: Bundesverband Reifenhandel).
Dass der Trend anhält, hat die Fachpublikation Reifenpresse.de am 27. Juli 2026 unter Berufung auf die BRV-Daten und den Bevorratungsreport des Reifenportals TyreSystem bestätigt: Allwetterprofile liegen weiter bei gut einem Drittel des Marktes (Quelle: Reifenpresse.de). Zur Einordnung der Größenordnung, um die es dabei geht: Allein der EU-Markt für Pkw- und Transporterreifen umfasste im Jahr 2024 nach den amtlichen Zahlen der Europäischen Kommission 335.932.482 Reifen — nachzulesen in Tabelle 2 der Durchführungsverordnung (EU) 2026/1540, die sich auf Erhebungen des Branchenverbandes Tyres Europe stützt. Ein Drittel davon ist ein sehr großer Markt, und er verschiebt sich gerade.
Eine ausführliche Gegenüberstellung der drei Bauarten und ihrer Gummimischungen finden Sie in unserem Ratgeber zu den technischen Unterschieden zwischen Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen.
Im Regal steht der Allwetterreifen bei 23,7 Prozent
Jetzt die Gegenprobe aus dem eigenen Bestand. Unser Pkw-Regal umfasst am Stichtag 35.028 lieferbare Ausführungen, und die verteilen sich so: 17.857 Sommerreifen (51,0 Prozent), 8.866 Winterreifen (25,3 Prozent) und 8.305 Ganzjahresreifen (23,7 Prozent). Über alle Fahrzeugklassen hinweg — also samt Transporter und Nutzfahrzeug — führen wir 9.634 Allwetterausführungen.
Zwischen diesen 23,7 Prozent und den knapp 36 Prozent Marktanteil klafft eine Lücke von mehr als zwölf Prozentpunkten. Bevor daraus ein Widerspruch wird, gehört die Einordnung dazu, denn die beiden Zahlen messen Unterschiedliches: Der BRV zählt verkaufte Reifen, wir zählen angebotene Artikel. Ein einziges gut laufendes Allwetterprofil kann sich hunderttausendfach verkaufen und steht im Regal trotzdem nur mit einer Handvoll Größen. Umgekehrt füllen seltene Sportdimensionen viele Regalfächer und werden kaum bewegt.
Genau deshalb ist der Vergleich aber aussagekräftig — nur eben für eine andere Frage. Der Absatzanteil sagt, was die Kundschaft kauft. Der Sortimentsanteil sagt, was die Industrie anbietet. Beide Zahlen zusammen ergeben erst das vollständige Bild, und zwischen ihnen liegt in der Regel ein Zeitversatz: Ein Reifenprogramm wird Jahre im Voraus entwickelt, freigegeben und in Größen ausgerollt, während sich Kaufgewohnheiten binnen zweier Saisons verschieben können. Ein Sortiment, das der Nachfrage hinterherläuft, ist deshalb nicht überraschend — wohl aber die Größe des Abstands. Und er zeigt: Der Allwetterreifen ist im Angebot noch nicht dort angekommen, wo er im Verkauf längst steht. Wer also im Konfigurator für seine Größe weniger Auswahl findet als erwartet, bildet sich das nicht ein. Wie sich das im Einzelnen auf die Formate verteilt und warum es weniger an der Felgengröße als an der Reifenflanke liegt, haben wir in einer eigenen Auswertung nach Querschnitt und Zollgröße aufgeschlüsselt.
233 gegen 748: Der Boom wird von wenigen Profilen getragen
Noch deutlicher wird das Bild, wenn man nicht die einzelnen Größen zählt, sondern die Modellreihen dahinter. In unserem Pkw-Regal stehen 748 verschiedene Sommerprofile, 319 Winterprofile und nur 233 Ganzjahresprofile. Der Allwetterreifen verkauft sich also besser als der Sommerreifen, wird aber aus nicht einmal einem Drittel so vielen Modellreihen bedient.
Das hat für Sie zwei sehr praktische Folgen. Erstens ist die Auswahl innerhalb einer Größe schmaler, als die Marktzahlen vermuten lassen: Wo bei Sommerreifen ein Dutzend ernsthafter Kandidaten nebeneinander steht, sind es beim Allwetterprofil oft nur drei oder vier. Zweitens hängt viel an einzelnen Baureihen. Das mit Abstand größte Ganzjahresprofil in unserem Regal ist der Continental AllSeasonContact 2 mit 226 Ausführungen, gefolgt vom Nexen Nblue 4 Season 2 mit 147, dem Minerva AS Master mit 143, dem Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 mit 139 und dem Michelin CrossClimate 2 mit 137. Fällt eine solche Reihe aus dem Programm oder wird sie von einem Nachfolger abgelöst, verschieben sich für viele Größen gleich sämtliche Alternativen.
Eine Einschränkung gehört allerdings dazu, weil sie dem naheliegenden Verdacht widerspricht: Die Konzentration auf wenige Erfolgsreihen ist beim Allwetterreifen nicht ungewöhnlich stark. Bei Ganzjahresreifen decken die größten 42 von 233 Profilen die Hälfte des Regals ab, bei Sommerreifen sind es 91 von 748 — also anteilig sogar etwas weniger. Das Segment ist nicht stärker auf Bestseller zugespitzt als der Rest des Marktes. Das eigentliche Thema ist schlicht die absolute Zahl: Es gibt in Summe deutlich weniger Modellreihen, aus denen sich eine Größe bedienen lässt.
Für den Kauf heißt das: Bei Ganzjahresreifen lohnt es sich besonders, ein bewährtes Profil gezielt zu suchen, statt nur nach Preis zu sortieren. Die Bandbreite ist groß — was ein gut gemachtes Allwetterprofil ausmacht, zeigt zum Beispiel unser Porträt des Maxxis Premitra All Season AP3, der bei Nässe stark ist und an anderer Stelle Federn lässt.
Wer den Trend trägt — und wer sich Zeit lässt
Am aufschlussreichsten ist die Auswertung nach Marken. Für jeden Hersteller mit mindestens 150 Pkw-Ausführungen haben wir berechnet, welchen Anteil das Allwetterprofil an seinem eigenen Programm hat. Die Spannweite ist erheblich: Sie reicht von 12,3 bis 43,7 Prozent.
- Ganz vorn stehen die Herausforderer: Vredestein führt 43,7 Prozent seines Pkw-Programms als Ganzjahresreifen, dahinter folgen Maxxis mit 36,2, Minerva mit 35,8, Imperial mit 33,6 und Uniroyal mit 30,5 Prozent. Bei Kleber sind es 29,2, bei Tracmax 29,1, bei Toyo 28,2 und bei Cooper 28,1 Prozent.
- Im Mittelfeld liegen mehrere große Namen: Nokian kommt auf 26,1 Prozent, Kumho auf 22,6, Falken auf 22,5, Michelin und Nexen jeweils auf 22,0 und Goodyear auf 19,4 Prozent.
- Am zurückhaltendsten sind ausgerechnet die Flaggschiffmarken: Bridgestone liegt bei 15,0 Prozent, Dunlop bei 12,9, Continental bei 12,7 und Pirelli bei 12,3 Prozent — also bei gut einem Viertel des Vredestein-Werts.
Besonders bemerkenswert wird das, wenn man Konzernschwestern nebeneinanderlegt. Uniroyal (30,5 Prozent) gehört zu Continental (12,7 Prozent), Kleber (29,2 Prozent) gehört zu Michelin (22,0 Prozent) — in beiden Fällen setzt die Zweitmarke sichtbar stärker auf Allwetter als das Flaggschiff des eigenen Hauses. Das passt zur Logik des Segments: Der Ganzjahresreifen ist traditionell eher ein Preis-Leistungs- als ein Prestigeprodukt. Welche Marke zu welchem Konzern gehört, haben wir in einer eigenen Übersicht Marke für Marke aufgedröselt.
Noch ein Detail, das die unterschiedlichen Strategien zeigt: Continental deckt seine 301 Allwetterausführungen mit nur drei Profilen ab — 226 davon entfallen allein auf den AllSeasonContact 2. Pirelli verteilt seine 197 Ausführungen dagegen auf elf Profile, Hankook seine 226 auf neun. Der eine Hersteller konzentriert sich auf eine große Reihe und deckt damit möglichst viele Größen ab, der andere fächert in Spezialisten für Limousine, SUV und Transporter auf. Beides ist für Sie relevant: Ein breit ausgelegtes Einzelprofil ist in vielen Dimensionen verfügbar und gut getestet, eine aufgefächerte Familie trifft dafür den Fahrzeugtyp genauer.
Auch bei den Spitzenreitern lohnt der zweite Blick. Vredestein verteilt seine 297 Allwetterausführungen auf acht Profile, die größte Reihe ist der Quatrac Pro+ mit 108 Ausführungen. Uniroyal kommt mit nur zwei Reihen auf 156 Ausführungen, Kleber mit drei auf 177, und bei Minerva entfallen 143 der 216 Ausführungen auf ein einziges Profil, den AS Master. Ein hoher Allwetteranteil bedeutet also nicht automatisch ein breites Programm — er kann auch heißen, dass eine Marke ihr ganzes Gewicht in eine einzige, sehr weit ausgerollte Baureihe legt.
Beim Transporter ist der Umbruch weiter
Die Beobachtung des BRV, dass die Verschiebung bei Transporterreifen noch stärker ausfällt als beim Pkw, können wir im eigenen Bestand bestätigen. Unser Van- und Transporterregal umfasst 4.622 Ausführungen, und dort steht der Ganzjahresreifen bei 28,8 Prozent (1.329 Ausführungen) — gegenüber 45,3 Prozent Sommer- und 25,9 Prozent Winterreifen. Der Allwetterreifen hat im Transportersegment den Winterreifen also bereits überholt, im Pkw-Segment noch nicht.
Der Grund liegt auf der Hand: Lieferfahrzeuge, Handwerkerbusse und Wohnmobile sind das ganze Jahr im Einsatz, stehen selten still und können sich einen halbtägigen Werkstattaufenthalt pro Saison schlecht leisten. Wer sein Fahrzeug gewerblich bewegt, rechnet die Stillstandszeit mit, nicht nur den Reifenpreis — und zwei Sätze bedeuten zweimal im Jahr einen Ausfalltag plus Lagerfläche für acht Räder in C-Dimension, die deutlich schwerer und sperriger sind als Pkw-Räder. Dazu kommt, dass die Bereifung in C-Tragfähigkeiten ohnehin teurer ist, was den Zweitsatz zusätzlich unattraktiv macht. Das Angebot dafür finden Sie unter Ganzjahresreifen für Van und Transporter; worauf es bei der C-Kennung und der Achslast ankommt, steht im Ratgeber zum Allwetterreifen am Transporter.
Ein Punkt gehört zur Ehrlichkeit dazu: Für SUV lässt sich diese Rechnung aus unserem Bestand nicht sauber aufmachen. Unser Offroadregal führt 7.981 Ausführungen ausschließlich als Sommer- und Winterreifen; allwettertaugliche SUV-Profile laufen bei uns im Pkw-Regal mit. Die Aussage zum Transporter steht, die zum SUV lassen wir offen, weil unsere Daten sie nicht hergeben.
Warum so viele Autofahrer umsteigen
Der Boom kommt nicht von ungefähr — mehrere Entwicklungen greifen ineinander. Mildere Winter: In weiten Teilen Deutschlands fällt in den Niederungen immer seltener und kürzer Schnee. Wer selten unter richtig winterlichen Bedingungen fährt, empfindet zwei spezialisierte Sätze schnell als übertrieben. Weniger Aufwand: Ein Ganzjahresreifen erspart den halbjährlichen Werkstatttermin, das Ummontieren und Wuchten, das erneute Anlernen des Reifendruck-Kontrollsystems und die Einlagerung des zweiten Satzes. Gerade in Städten, wo Kellerplatz und Werkstatttermine knapp sind, ist das ein starkes Argument.
Der Preis: Im Regal ist der Allwetterreifen die günstigste der drei Bauarten. Der Medianpreis liegt bei uns bei 88,78 Euro gegenüber 101,66 Euro beim Sommer- und 104,91 Euro beim Winterreifen. Aussagekräftiger noch ist der direkte Vergleich in identischer Größe und identischem Index: Über 494 solcher Paarungen liegt der Ganzjahresreifen im Median 12,47 Euro unter dem Winterreifen, über 641 Paarungen dagegen praktisch gleichauf mit dem Sommerreifen. Ob sich daraus über die Jahre wirklich ein Vorteil ergibt, entscheidet allerdings nicht der Kaufpreis, sondern die Laufleistung — das haben wir im Beitrag Ganzjahresreifen oder zwei Sätze vollständig durchgerechnet.
Technischer Fortschritt: Die entscheidende Zutat ist aber die Reifentechnik. Moderne Allwetterprofile mit ausgeklügelter Lamellierung und temperaturflexibler Kältemischung sind heute weit leistungsfähiger als die Kompromissmodelle früherer Jahre. Sie tragen das Alpine-Symbol, erfüllen also die gesetzlichen Anforderungen an einen wintertauglichen Reifen, und liefern zugleich auf nasser wie trockener Straße brauchbare Werte.
Für wen sich der Kompromiss lohnt — und für wen nicht
So verlockend der Trend ist: Der Ganzjahresreifen bleibt ein Kompromiss. Er ist ein Alleskönner, aber in keiner Einzeldisziplin so stark wie ein spezialisierter Sommer- oder Winterreifen. Wie groß der Abstand ist, verrät schon das EU-Label unseres Regals. Wir haben dafür alle Pkw-Ausführungen mit hinterlegtem Etikett ausgewertet und offensichtliche Platzhalterwerte aussortiert — es bleiben 16.188 Sommer-, 7.801 Winter- und 7.581 Ganzjahresreifen.
Bei der Nasshaftung erreichen 47,2 Prozent aller Sommerreifen die Spitzenklasse A, bei den Ganzjahresreifen sind es 6,5 Prozent und bei den Winterreifen 4,9 Prozent. Das Allwetterprofil liegt hier also nicht in der Mitte, sondern praktisch auf der Winterseite. Stattdessen ballt es sich in der zweitbesten Klasse: 57,8 Prozent der Ganzjahresreifen tragen ein B, mehr als in jeder anderen Bauart. Nach unten ist das Segment dafür besser abgesichert als die Winterbereifung — schlechter als C sind nur 5,0 Prozent der Allwetterreifen, aber 9,0 Prozent der Winterreifen.
Bei der Kraftstoffeffizienz stimmt das Bild vom Mittelweg dagegen: Die beiden besten Klassen A und B erreichen 25,8 Prozent der Sommerreifen, 17,2 Prozent der Ganzjahresreifen und nur 6,8 Prozent der Winterreifen. Beim Rollgeräusch liegt der Median in allen drei Bauarten bei 71 Dezibel — hier gibt es gar keinen Bauartunterschied. Der Kompromiss verteilt sich also keineswegs gleichmäßig auf alle Eigenschaften: Beim Verbrauch ist der Allwetterreifen ein echter Mittelweg, beim Nassgriff steht er näher am Winterreifen, und beim Geräusch spielt die Bauart überhaupt keine Rolle. Wie sich das in gemessenen Bremswegen niederschlägt, zeigt unsere Auswertung zum Verhalten von Allwetterreifen in der warmen Jahreszeit.
Gut geeignet ist ein Allwetterreifen für Fahrerinnen und Fahrer mit überschaubarer Jahresfahrleistung, überwiegend im Stadt- und Umlandverkehr, in klimatisch milden Regionen ohne regelmäßige Schnee- und Eislagen — und für Zweitwagen, die selten bewegt werden. Weniger geeignet ist er für Vielfahrer, für Menschen in schneereichen Mittelgebirgs- und Alpenregionen, für sportlich-zügige Fahrweise und für Fahrzeuge, die viel auf der Autobahn unterwegs sind. In diesen Extrembereichen — tiefer Schnee im Winter, hohe Geschwindigkeiten und Hitze im Sommer — spielt die spezialisierte Saisonbereifung ihre Stärken bei Bremsweg und Fahrstabilität aus.
Der Grund liegt in der Physik: Eine Sommermischung bleibt bei Hitze formstabiler und bremst auf warmem Asphalt kürzer, während ein reiner Winterreifen mit weicherer Mischung und mehr Lamellen auf Schnee und Eis deutlich mehr Grip aufbaut. Wer regelmäßig an diese Grenzen kommt, fährt mit zwei Sätzen sicherer. Eine Entscheidungshilfe nach Fahrertyp bietet unser Ratgeber für wen sich Allwetterreifen wirklich lohnen.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Wer sich für einen Ganzjahresreifen entscheidet, sollte nicht allein auf den Preis schauen — die Qualitätsunterschiede sind bei 83 Marken im Allwetterregal erheblich.
- Alpine-Symbol ist Pflicht: Nur Reifen mit dem Bergpiktogramm samt Schneeflocke gelten als wintertauglich und erfüllen die situative Winterreifenpflicht in Deutschland. Das ältere Kürzel M+S allein genügt bei neu hergestellten Reifen nicht mehr. Welche Zeichen auf der Flanke welche Bedeutung haben, erklärt unser Beitrag zu den Wintersymbolen auf dem EU-Reifenlabel.
- EU-Label prüfen: Werfen Sie einen Blick auf Nasshaftung, Kraftstoffeffizienz und Geräuschklasse. Beim Allwetterreifen ist vor allem eine gute Nasshaftung wichtig, denn Regen ist das ganze Jahr über die häufigste kritische Bedingung — und genau dort ist die Streuung im Segment am größten.
- Auf getestete Modelle setzen: Zwischen Premium- und Billigware liegen bei Ganzjahresreifen Welten, wie der ADAC-Ganzjahresreifentest 2025 regelmäßig zeigt. Etablierte Modelle bieten mehr Sicherheitsreserven.
- Das Alter im Blick behalten: Ein Allwetterreifen ist zwölf Monate im Jahr im Einsatz und altert dadurch anders als ein Saisonsatz. Ab wann er im Winter nicht mehr trägt, steht im Beitrag zur Lebensdauer von Ganzjahresreifen.
Bewährte Allrounder aus unserem Sortiment sind der Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 205/55 R16 94V und der Continental AllSeasonContact 2 235/55 R18 100H. Aus dem Programm der Marke mit dem höchsten Allwetteranteil im Regal kommt der Vredestein Quatrac 205/55 R16 91H; was dessen Nachfolger zusätzlich kann, steht im Porträt des Vredestein Quatrac Pro 2. Das gesamte Angebot sortiert nach Ihrer Größe finden Sie in der Kategorie Ganzjahresreifen für PKW.
Unterm Strich: Der Siegeszug des Ganzjahresreifens ist kein Marketing-Hype, sondern das Ergebnis milderer Winter, gestiegener technischer Reife und des Wunsches nach weniger Aufwand. Das Angebot zieht allerdings langsamer nach, als die Verkaufszahlen vermuten lassen — mit 23,7 Prozent Sortimentsanteil, 233 Profilen und sehr unterschiedlich engagierten Herstellern. Wer jetzt, zum Beginn der Wechselsaison, auf Allwetter umsteigen möchte, sollte deshalb früh suchen: Die schmalere Modellauswahl bedeutet, dass beliebte Größen im Oktober schneller eng werden als bei der Winterbereifung. Wie sich das Angebot über die Saison entwickelt, haben wir am Winterregal Ende September nachgezeichnet.
Für Wenigfahrer im Flachland ist das Allwetterprofil eine sinnvolle und sichere Lösung. Wer viel fährt, in schneereichen Regionen wohnt oder sportlich unterwegs ist, bleibt mit zwei Sätzen besser bedient — und findet die passende Auswahl unter Winterreifen für PKW.
Häufige Fragen
Sind Ganzjahresreifen im Winter zugelassen?
Ja, sofern sie das Alpine-Symbol auf der Flanke tragen — also das Bergpiktogramm mit der Schneeflocke. Diese Reifen erfüllen die situative Winterreifenpflicht bei Schnee, Eis und Glätte. Das ältere M+S-Zeichen allein reicht bei seit 2018 hergestellten Reifen nicht mehr aus.
Warum finde ich für meine Größe nur wenige Allwettermodelle?
Weil das Angebot dem Absatz hinterherhinkt. Im Pkw-Regal stellen Ganzjahresreifen 23,7 Prozent der Ausführungen und werden aus nur 233 Modellreihen bedient, gegenüber 748 Sommerprofilen. Je breiter und flacher Ihre Dimension ist, desto dünner wird die Auswahl.
Bauen alle Hersteller gleich viele Ganzjahresreifen?
Nein, die Unterschiede sind groß. In unserem Bestand reicht der Allwetteranteil am Markenprogramm von 12,3 Prozent bei Pirelli bis 43,7 Prozent bei Vredestein. Auffällig ist, dass Zweitmarken wie Uniroyal und Kleber deutlich stärker auf Allwetter setzen als die Flaggschiffmarken ihrer eigenen Konzerne.